Wissen

10.08.2009

Warum Sie eine Abmahnung wirklich ernst nehmen sollten

Eine Schocksituation für jeden Arbeitnehmer: Sie haben von ihrem Arbeitgeber eine Abmahnung erhalten und sehen jetzt ihr Arbeitsverhältnis in Gefahr. Hier hilft Beschönigung nicht weiter: Zumindest wenn Ihnen ein vergleichbarer Pflichtverstoß erneut unterläuft, ist Ihr Arbeitsverhältnis tatsächlich massiv gefährdet.

Funktionen der Abmahnung

  1. Einerseits soll sie Ihnen als Arbeitnehmer unmissverständlich darüber unterrichten, dass Sie Ihren arbeitsvertraglichen Pflichten nicht nachgekommen sind und Ihnen klarmachen, dass Ihr Arbeitgeber dies nicht akzeptiert und im Wiederholungsfall das Arbeitsverhältnis gekündigt wird (Warnfunktion).
  2. Die zweite Funktion ist, dass Ihr Arbeitgeber mit der Abmahnung einen Pflichtverstoß dokumentieren und gegebenenfalls auch beweisen kann (Dokumentations- und Beweisfunktion).

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Mustervorlage: Gegendarstellung zu einer Abmahnung

Mustervorlage: Gegendarstellung zu einer Abmahnung

Bevor ein Arbeitgeber einen Arbeitnehmer verhaltensbedingt entlassen kann, muss er ihn erst abmahnen. Im Wiederholungsfall kann er dann kündigen. Allerdings ist nicht jede Abmahnung berechtigt...

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Eine Abmahnung hat auch etwas Positives

Als Arbeitnehmer wird Ihnen durch die Abmahnung klar, welches Verhalten der Arbeitgeber als vertragswidrig beurteilt. Und ein zweiter für Sie sehr wichtiger Aspekt ist, dass durch die Abmahnung die Kündigungsmöglichkeit verbraucht wird. Ihr Arbeitgeber kann daher nicht wegen desselben Vorfalls eine Abmahnung aussprechen und Ihnen kündigen.

Beispiel:

Am 23.04. sind Sie 15 Minuten zu spät zur Arbeit erschienen. Ihr Arbeitgeber kann Sie wegen der Verspätung am 23.04 nicht erst abmahnen und hinterher wegen der Verspätung am 23.04 auch noch kündigen.

Die von Arbeitgebern gelegentlich verwendete Formulierung „Hiermit mahnen wir Sie ab und kündigen gleichzeitig das Arbeitsverhältnis“ ist daher ein typischer Arbeitgeberfehler. Auf diesen müssen Sie allerdings reagieren.

Tipp:

Sollte Ihr Arbeitgeber wegen eines Vorfalls eine Kündigung aussprechen, für den Sie bereits eine Abmahnung erhalten haben, legen Sie auch unbedingt innerhalb von drei Wochen Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht ein. Begründen Sie diese damit, dass das Kündigungsrecht verbraucht ist, da der Arbeitgeber bereits vorher eine Abmahnung wegen des gleichen Vorfalls ausgesprochen hat.

Nehmen Sie die Abmahnung unbedingt ernst

Auf der anderen Seite ist die Abmahnung eine notwendige Voraussetzung für eine verhaltensbedingte Kündigung. In den allermeisten Fällen kann der Arbeitgeber keine verhaltensbedingte Kündigung aussprechen, wenn er ein entsprechendes Verhalten nicht vorher bereits abgemahnt hat. Die Kündigung ist immer nur als letztes Mittel zulässig.

2 Schritte, wenn Sie eine Abmahnung erhalten

Wenn Sie eine Abmahnung bekommen, sollten alle Alarmsignale bei Ihnen zu hören sein. Nehmen Sie die Abmahnung unbedingt ernst.

Prüfen Sie genau, ob die Abmahnung inhaltlich berechtigt ist. Also z.B. ob es wirklich Sie waren, der den Fehler gemacht hat und ob das geforderte Verhalten zu Ihren Pflichten gehört.

Lassen Sie sich zu diesem Zeitpunkt nicht auf formale Diskussionen über die Abmahnung ein, Sie riskieren sonst nur eine zweite – formal einwandfreie - Abmahnung zu erhalten und verschenken ohne Not Argumente für eine evt. in Zukunft erforderliche Kündigungsschutzklage

Wenn die Abmahnung inhaltlich falsch ist, verlangen Sie die Beseitigung der Abmahnung aus der Personalakte. Wenn der Vorwurf zutrifft, sollten Sie Ihr Verhalten in Zukunft anpassen.

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P. Müller aus B.