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Diese Pflichten haben Sie, wenn Sie krank geschrieben sind

18.08.2009

Während Sie arbeitsunfähig krankgeschrieben sind, ruhen Ihre Pflichten aus dem Arbeitsvertrag, soweit Sie die Pflicht zur Arbeit betreffen. Andere Pflichten aus dem Arbeitsvertrag, insbesondere die Treuepflichten des Arbeitnehmers, bestehen weiter.

Dazu gehört es z. B., geschäftsschädigendes Verhalten zu vermeiden. Beispiel: Zur Arbeit erscheinen brauchen Sie nicht, wenn Sie von einem Arzt krankgeschrieben sind, diese Pflicht ruht. Geschäftsschädigende Äußerungen über Ihren Arbeitgeber dürfen Sie aber auch während der Krankschreibung nicht machen.Weitere Pflichten haben Sie wegen des Entgeltfortzahlungsgesetzes (EFZG).

 

Diese Pflichten entstehen durch das EFZG
Erstes Auftreten der Arbeitsunfähigkeit

Pflicht zur unverzüglichen Krankmeldung (§ 5 Abs. 1 Satz 1 EFZG)

 
Pflicht zur Vorlage einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, wenn die Krankheit länger als 3 Tage dauert (gesetzlicher Normalfall) oder früher (möglich durch Regelung in Tarifvertrag, Arbeitsvertrag oder Anordnung Ihres Arbeitgebers, § 5 Abs. 1 Satz 2 und 3 EFZG.  
Bei Fortdauer der Arbeitsunfähigkeit über das bescheinigte Ende hinaus
Unverzügliche Meldung der andauernden Arbeitsunfähigkeit  
Pflicht zur Vorlage einer ärztlichen Folgebescheinigung, wenn die Krankheit länger als 3 Tage fortdauert (gesetzlicher Normalfall) oder früher (möglich durch Regelung in Tarifvertrag, Arbeitsvertrag oder Anordnung Ihres Arbeitgebers).

Achtung Falle für Arbeitnehmer: Das EFZG bestimmt ausdrücklich nur, dass Sie eine Folgebescheinigung vorlegen müssen. Das BAG wendet § 5 Abs. 1 Satz 2 und 3 entsprechend an. Halten Sie daher die genannten Zeiträume ein.

 
Wenn Sie durch einen Dritten verletzt wurden
Sie haben dann in der Regel einen Schadensersatzanspruch gegen den Verletzter. Dieser Anspruch geht in Höhe der geleisteten Entgeltfortzahlung automatisch auf Ihren Arbeitgeber über. Sie müssen dem Arbeitgeber alle dazu erforderlichen Angaben machen, insbes. ihm also Namen des „Täters“ nennen.  
 

Tipp: Halten Sie diese Pflichten unbedingt ein. Ihr Arbeitgeber braucht bis zur Vorlage der Bescheinigungen nicht zahlen. Außerdem riskieren Sie eine Abmahnung, wenn Sie gegen diese Pflichten verstoßen.

Ein häufiger Streitpunkt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist die Pflicht zum gesundheitsfördernden Verhalten. Das bedeutet für Sie als Arbeitnehmer: Sie müssen alles unterlassen, was den Genesungsprozess verlangsamt oder gefährdet.

Beispiel: Sie sind wegen Rückenproblemen arbeitsunfähig krank geschrieben. Werden Sie jetzt vom Arbeitgeber beim Renovieren Ihrer Wohnung oder schweren Gartenarbeiten erwischt, haben Sie gegen die Pflicht zum gesundheitsfördernden Verhalten verstoßen.

Auf der anderen Seite müssen Sie nicht bei jeder Krankschreibung im Bett oder der Wohnung bleiben, entscheidend ist der Einzelfall. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie Ihren Arzt.

Beispiel: Sie sind wegen einer Schleimbeutelentzündung im Ellenbogen krank geschrieben. Natürlich brauchen Sie mit dieser Erkrankung nicht im Bett liegen, sondern dürfen z.B. spazieren gehen.

Bei Verstößen gegen die Pflicht zum gesundheitsfördernden Verhalten riskieren Sie eine Abmahnung sowie die weitere Entgeltfortzahlung.

Insbesondere dürfen Sie sich nicht über einen ärztlichen Rat hinweg setzen. Werden Sie also angewiesen, Bettruhe zu halten, sollten Sie diesen Rat beherzigen. Arbeitgeber gehen immer mehr dazu über, Krankmeldungen kritisch zu hinterfragen und auch schon einmal einen Detektiv mit der Überwachung der Mitarbeiter zu beauftragen. Die Fälle, in denen wegen Rückenproblemen arbeitsunfähig geschriebene Mitarbeiter auf Baustellen entdeckt werden, nehmen zu. Hierbei handelt es sich oft um Missbrauchsfälle, die Ihr Arbeitgeber natürlich nicht dulden muss.

Ein anderes Beispiel: Ein Briefzusteller war krankgeschrieben, der Arbeitgeber stellte die Frau des Briefzustellers ein und übertrug ihr vertretungsweise die Arbeit des krankgeschriebenen Zustellers. Anstatt zu Hause zu bleiben, begleitet er seine Frau auf der Tour und wurde prompt von dem vom Arbeitgeber beauftragten Detektiv dabei erwischt. Der Ärger war vorprogrammiert.

Werden Sie bei solchen Verhaltensweisen ertappt, riskieren Sie nicht nur arbeitsrechtliche Probleme, sondern müssen unter Umständen auch noch den Detektiv bezahlen. Der gesunde Menschenverstand sagt Ihnen in der Regel, was gesundheitsfördernd ist und was nicht.

Auf der anderen Seite sind Sie nicht verpflichtet, bei jeder Arbeitsunfähigkeit Bettruhe zu halten. Fragen Sie Ihren Arzt, welche körperlichen Tätigkeiten er Ihnen empfiehlt und halten Sie sich daran. Dann sind Sie auf der sicheren Seite, sowohl was die Genesung als was auch die arbeitsrechtliche Situation betrifft.

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Das sagen unsere Leser

Anita Klemmer, Betriebsrätin

„Besonders gefällt mir an „Urteilsdienst für den Betriebsrat“, dass man imer alle aktuellen Urteile auf den Tisch bekommt. Und nicht selbst auf die Suche danach gehen muss. Frau Becker-Lerchner hat uns in der Redaktionssprechstunde auch schon sehr gute Tipps gegeben, als die Situation mit unserem Arbeitgeber festgefahren war. Das findet man sonst nirgendwo!“

Elke Schmidt, Betriebsrätin

„Wunderbar. Die Tipps, Hintergrundinformationen und Praxisfälle aus dem „Urteilsdienst für den Betriebsrat“ sind immer sehr prägnant und praxisnah. Das macht die „Arbeit vor Ort“ um vieles leichter!“

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