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Stress reduzieren und sich wieder in Balance bringen

12.04.2016

7 Strategien, wie Sie unvermeidbaren Stress abfedern

Sie haben erkannt, dass es an Ihnen liegt, wie schnell Ihr Rad sich dreht. Dass niemand einfach so ein „Opfer seiner Lebensumstände“ sein muss, der nicht bereit ist, sich diesen Schuh anzuziehen. Dass Sie in dem Maße, in dem Sie die Autorität über Ihr Leben zurückholen, selbstbestimmter leben – und sich damit energetisch stärken!

 

Was können Sie nun konkret tun, um auch langfristige Veränderungen zu ermöglichen? 7 einfache Strategien helfen Ihnen, mehr Selbstbestimmung in Ihr Leben zu bringen:

  1. Behalten Sie die Kontrolle über Ihr Handeln
    Nur Sie allein sollten am Steuer Ihres Fahrzeugs auf der Straße des Lebens sitzen. Das ist weder die Aufgabe Ihres Chefs noch die irgendeines anderen Menschen. Schwächen Sie sich nicht, indem Sie an deren eine Rolle zuweisen, die ihnen nicht zusteht:
  • Setzen Sie – wo nötig – klare Grenzen, ganz gleich, ob es um Ihre Kinder, Ihren Partner, Kollegen oder andere Menschen geht.
  • Hören Sie dabei auf die Signale, die Ihr Körper sendet. Mit ein wenig Übung spüren Sie sehr genau, wenn Sie im Begriff sind, sich zu verbiegen.

Tipp:
Den Alltag überprüfen
Halten Sie in Ihrem Alltag immer mal wieder inne, und stellen Sie fest:

  • Welche Forderungen sind berechtigt, und wo lassen Sie sich Aufgaben aufdrängen?
  • Wo bleiben Sie nicht bei sich und kümmern sich stattdessen um Probleme, für die Sie nicht verantwortlich sind?
  • Wo lassen Sie sich auf ein Treffen mit Kollegen oder eine Forderung Ihrer Familie ein, obwohl Sie eigentlich müde und abgespannt sind und Ihnen ein wenig Muße mit einem guten Buch besser getan hätte?
  • Wo belügen Sie sich selbst und sitzen auch dann noch im Büro, wenn Sie im Innersten wissen, dass Sie nicht mehr aufnahmebereit sind und ein wenig Abstand oder Schlaf die bessere Lösung wäre?

 

  1. Bewahren Sie den nötigen Abstand
    Nur Sie selbst können entscheiden, ob die Forderungen eines anderen berechtigt sind und wann so wie in welcher Weise Sie sich einbringen wollen:
  • Kommt etwa ein Mitarbeiter mit einem Problem zu Ihnen, geht es nicht darum, ihm dieses abzunehmen. Bleiben Sie in Ihrer Führungsrolle: Fördern Sie die Entwicklung und Selbstbestimmung, indem Sie anleiten, statt zu lösen.
  • Vermeiden Sie es, die Rolle des „ersten Sachbearbeiters“ zu übernehmen oder die Probleme anderer auf Ihre To-do-Liste zu packen. Geben Sie Hilfe zur Selbsthilfe, damit die anderen ihre Probleme selbst lösen können. Schauen Sie genau hin, was in der jeweiligen Situation für Sie zu tun ist und was nicht.

 

  1. Machen Sie klare Ansagen
    Treffen Sie Entscheidungen, und stehen Sie dazu:
  • Wenn Sie entschieden haben, weniger zu arbeiten oder Ihre Arbeitszeiten flexibler zu gestalten, argumentieren Sie gegenüber Vorgesetzten und Kollegen entsprechend.
  • Bringen Sie sich in der Familie und in Ihrem sozialen Umfeld ein – aber sagen Sie nein, wenn Sie Zeit für sich selbst benötigen. Keine Sorge: Gute Freunde möchten, dass es Ihnen gut geht, und auch Ihre Kinder können mit einem klaren Nein gut leben, wenn sie spüren, dass Sie beim nächsten Mal ganz bei ihnen und den gemeinsamen Unternehmungen sein werden.
  • Treffen Sie sich mit den Menschen, die für Ihr Leben (nicht für Ihre Karriere!) wichtig sind. Sie werden sehen: Diese Kontakte geben Ihnen Energie, die Ihnen auch in Ihrem Arbeitsalltag zugutekommt.

 

  1. Sorgen Sie für stabile Beziehungen und Freundschaften
    Oft geht es darum, dass man lernen muss, auch mal Nein zu sagen, wenn einem nicht nach Familien- oder Freundestrubel ist und man Zeit zum kompletten Abschalten braucht.

Aber Vorsicht: Bei vielen Burn-out-Gefährdeten fehlen stabile soziale Beziehungen.

Manch einer fängt an, zu viel zu arbeiten, weil er sich einsam fühlt. Bei anderen führt das viele Arbeiten dazu, dass Beziehungen und Freundschaften in die Brüche gehen. In beiden Fällen wird die Arbeit über das Zusammensein mit anderen Menschen gestellt.

Da gibt es nur einen wirksamen Tipp:
Entscheiden Sie sich bewusst dafür, dass Ihnen Ihre Ehe und Ihre Freundschaften wichtig genug sind, ihnen einen hohen Stellenwert in Ihrem Leben einzuräumen. Hin und wieder können es die Aufgaben in Ihrem Job natürlich erforderlich machen, andere warten zu lassen. Wenn Sie Ihre Bezugspersonen aber dauerhaft vernachlässigen, schaden Sie damit vor allem sich selbst.

Vielleicht haben Sie nicht das Gefühl, allein zu sein, weil Sie ja ständig von Kollegen oder Geschäftspartnern umgeben sind? Als Beziehungen, die Ihnen Kraft und Halt geben, zählen aber nur solche, die Ihnen wirklich etwas bedeuten. Gemeint sind die

Menschen, mit denen Sie sich wohl fühlen und mit denen Sie nicht nur aus einer Verpflichtung heraus zusammen sind. Sind solche Treffen geschäftlich motiviert, zählen sie zur Arbeitszeit.

 

  1. Überprüfen Sie Ihre Lebenslandkarte
    Selbstbestimmung heißt auch, dass Sie einen Kompass brauchen, der Ihren aktuellen Standort und Ihre Richtung bestimmt. Verschaffen Sie sich Klarheit über Ihre persönliche Vision: Stellen Sie es sich vor wie eine Landkarte, auf die Sie alles einzeichnen, was Sie planen und im Leben erreichen wollen. Diese Landkarte sollte so wohl die beruflichen als auch die privaten Ziele er fassen und so konkret wie möglich festhalten, was Ihnen wichtig ist.

 

Doch Vorsicht! Es geht nicht darum, einen erweiterten Termin- und Maßnahmenplaner zu erstellen. Hier geht es vielmehr um den roten Faden Ihres Lebens. Fragen Sie sich, was Sie Ihren Nachfahren am Ende Ihres Lebens in einem Rückblick über sich erzählen mögen. Was haben Sie gerne getan, und wofür hat sich der Einsatz gelohnt?

Achten Sie darauf, dass Sie Ihre persönlichen Werte ebenso berücksichtigen wie Ihre persönlichen Ressourcen und Ihre individuellen Grenzen: Was können Sie realistisch einbringen, ohne sich selbst zu über lasten und aus der Balance zu bringen?

Manche müssen beispielsweise in ihre beruflichen Visionen einbeziehen, dass man Familie gegründet hat, und auch akzeptieren, dass der Körper heute mehr Entspannung braucht als zu Studentenzeiten.

TIPP:
Machen Sie sich ein Bild
Denken Sie sich Ihre Vision nicht nur. Schreiben Sie sie auf – oder noch besser: Zeichnen Sie sie. Bilder haben, wie der Begriff Vision schon sagt, eine starke Kraft: Je genauer Sie Ihr Bild zeichnen können, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihre Ziele erreichen werden. Sie können auch die Collage- Technik anwenden: Sammeln Sie Bilder, Überschriften aus Medien, und kleben Sie sie zu Ihrem Zukunftsbild auf.

 

  1. Entrümpeln Sie Ihr Leben: Werfen Sie Ballast ab
    Eine Vision zu haben ist eine wichtige Voraussetzung für die persönliche Lebens-balance. Wenn Sie schon einige Weichen für Ihr Leben gestellt haben, geht eine Neuorientierung immer mit einem Reinigungsprozess einher. Denn nicht alles, was Sie sich in Ihr Leben organisiert haben, passt auch zu der von Ihnen erstellten Lebenslandkarte. Überprüfen Sie deshalb Ihr privates und berufliches Leben.Listen Sie auf, was Ihnen mehr Druck als Freude macht oder was Ihnen mehr Energie ab verlangt als einbringt – Gegenstände ebenso wie Ämter, Rollen, Funktionen und Routinen.


TIPP:
Kontakte und Aufgaben durchforsten
Schauen Sie Ihre Netzwerke und Adresskalender durch, und entscheiden Sie bei jedem Kontakt zwischen Loslassen und Aktivieren. Nehmen Sie übernommene Ämter, Rollen, Funktionen und Gewohnheiten genauso kritisch unter die Lupe. Was ist historisch gewachsen und passt heute nicht mehr in Ihren übervollen Alltag? Wie viele Rollen und Aufgaben sind dazugekommen, ohne dass Sie auf der anderen Seite der Waagschale etwas reduziert haben? Unterziehen Sie die beruflichen und privaten Rollen einer kritischen Überprüfung, und beziehen Sie auch Routinen in die Analyse mit ein. Was ist wirklich noch stimmig, und wo lassen sich Regelungen finden, die besser zu Ihrer aktuellen Lebenssituation passen?

Seien Sie mutig, und trennen Sie sich großzügig von allem, was Sie als Ballast empfinden. Denken Sie nicht, ohne Sie würde es nicht gehen! Was jedoch nicht bedeutet, dass Sie ohne Widerstände von anderen davonkommen. Planen Sie diese von vornherein mit ein. Ihre Umwelt muss nicht „hurra!“ schreien. Je entschlossener Sie vorgehen, desto schneller werden die anderen sich an die neue Situation gewöhnen.

 

  1. Planen Sie Ihr neues Leben – auch in Ihrem Terminplan
    Wenn Sie für sich festgelegt haben, was in Ihrem Leben wichtig ist, sowie konkrete Ziele und Maßnahmen identifiziert haben, sollten Sie diese auch alle als Ihre Aufgaben definieren und in Ihrem Kalender berücksichtigen. Das mag Ihnen zu Beginn etwas befremdlich vorkommen, doch mit einiger Übung gewöhnen Sie sich daran, Ihre Mußestunden oder die gemeinsame Zeit mit Ihren Kindern gleichberechtigt neben die Termine mit Ihrem Chef oder das Kundenmeeting zu positionieren.

 

Achten Sie auf Ihren Körperund nicht erst dann, wenn er streikt, sondern gönnen Sie ihm täglich besondere Aufmerksamkeit mit gesunder Ernährung sowie ausreichend Bewegung, Ruhe und Schlaf. Achten Sie insbesondere darauf, dass Sie das tun, was Sie als Mensch wirklich ausmacht und was Ihnen tatsächlich am Herzen liegt – und das nicht morgen oder übermorgen oder nach der Pensionierung, sondern heute. Nur in diesem Moment sind Sie kraftvoll. Die Vergangenheit ist vorbei, die Zukunft noch nicht da: Sie können daher nur im jeweiligen Augenblick leben.

Das gibt Ihnen gleichzeitig die Möglichkeit, sofort eine neue Entscheidung zu treffen, sobald Ihnen eine Disbalance auffällt. Planen Sie Übergangszeiten ein, und lassen Sie sich auch dann nicht entmutigen, wenn es anfangs zu Verzögerungen kommt oder Ihre inneren Skeptiker Ihnen wieder einmal einreden wollen, Sie seien auf dem Holzweg.

Veränderung braucht Zeit.
Wenn Sie klar bezüglich Ihrer Vision sind und Ihre Ziele im Blick haben, ist diese Zeit gut investiert. Der Erfolg wird nicht lange auf sich warten lassen, denn Sie werden sich glücklicher und kraftvoller fühlen.

Die Messlatte für den Erfolg der Veränderungen sind Sie selbst
Ob Sie erfolgreich sind, merken Sie sehr schnell an Ihrer persönlichen Energie:

  • In der Balance fühlen Sie sich gut und sind ausgeglichen. Ihre Laune ist besser, alles scheint leicht von der Hand zu gehen – Sie fühlen sich stark und zufrieden. Sie lassen sich nicht aus der Ruhe bringen, wenn Ihr Körper Ihnen signalisiert, dass er eine Pause braucht.
  • Im Idealfall merken Sie Ihren Körper gar nicht, weil der Wechsel zwischen Spannung und Entspannung, Leistung und Ruhe, Beruf und Privat leben zu einem ganz natürlichen Bestandteil Ihres Alltags geworden ist.
  • Sobald Sie sich müde, unzufrieden und abgeschlagen fühlen, läuft etwas schief. Halten Sie inne, und horchen Sie in sich hinein:
    Sind da Störgefühle, oder würden Sie am liebsten alles hinter sich lassen? Warten Sie nicht, bis Ihre Körpersignale überdeutlich werden. Und warten Sie auch nicht darauf, dass andere Sie ansprechen und Sie fragen, was Ihnen guttut.


BEISPIEL
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Winfried Klotz liebt seine Kinder und ist ein begeisterter Hobby-Kikker. Sobald er merkt, dass das Spiel mit seinen Söhnen wieder von kindlicher Leichtigkeit geprägt ist, weiß er, dass er auf einem guten Weg ist. Dann gelingt es ihm, im Augenblick zu leben, anstatt von unerledigten To dos oder Verpflichtungen abgelenkt und überlastet zu sein. Und er merkt, dass ihm diese wertvolle Zeit Kraft gibt, dann wieder die Zeit im Beruf ohne schlechtes Gewissen zu verbringen, wenn heiße Projektphasen anstehen.

Das bedeutet: Planen Sie regelmäßige Kontrollen ein. Nehmen Sie immer mal wieder Ihre Lebenslandkarte zur Hand, um festzustellen, ob Sie sich noch auf Ihrem geplanten Weg befinden.

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