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20.8.2008

01/2008

So helfen Sie einem Azubi mit Prüfungsangst

Sie wurde schon manch einem Auszubildenden zum Verhängnis: die Prüfungsangst. Andere Auszubildende wiederum zeigen ebenfalls entsprechende Stresssymptome – sie aber profitieren davon und sind ganz besonders leistungsstark. Deshalb müssen Sie zunächst hinterfragen: Was für ein Prüfungstyp ist Ihr Azubi?

Versuchen Sie in einem ersten Schritt, Ihren Auszubildenden einzuschätzen. Um welchen Prüfungstyp handelt es sich?

Typ 1: Cool in die Prüfung – mit höchst unterschiedlichem Ergebnis
Dieser Prüfling ist und gibt sich betont locker. Diese Lockerheit hat allerdings unterschiedliche Ursachen: Typ 1a ist zu Recht vollkommen entspannt. Er weiß, was er kann, und hat in seinem Leben die Erfahrung gemacht, dass er Prüfungen mit guten und sehr guten Ergebnissen bewältigen kann. In der Regel fiel er bereits während der Ausbildung durch überdurchschnittliche Leistungen auf.

Um diesen Auszubildenden brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Er wird auch die Abschlussprüfung seines Ausbildungsberufs meistern. Konzentrieren Sie Ihre Anstrengungen im Vorfeld der Prüfung weniger auf die psychologische Unterstützung als vielmehr darauf, ihn im Unternehmen zu halten, falls Ihr Stellenplan das hergibt.

Typ 1b ist auf jeden Fall – nach außen hin – cool, aber nicht immer leistungsstark. Innerhalb einer Gruppe von Auszubildenden hat er zwar häufig eine Führungsrolle inne. Sie erkennen seine tatsächlichen Fähigkeiten aber an den Noten in der Berufsschule und den Beurteilungen durch die Fachausbilder, die Sie zudem befragen können. Für ihn könnte die Prüfung zum Problem werden. Denn grundsätzlich gibt sich ein solcher Mensch stärker, als er in Wirklichkeit ist. Die Prüfungssituation ist für ihn insofern unangenehm, da hier seine wirkliche Stärke ermittelt wird.

Zeigen Sie dem Auszubildenden rechtzeitig, wo im Hinblick auf die Abschlussprüfung seine Schwächen liegen. Geben Sie ihm die Möglichkeit, diese zu beseitigen, und bieten Sie dazu Ihre Hilfe an. Nicht immer wird der Auszubildende Ihre Hilfe annehmen. Das sollte Sie allerdings nicht davon abhalten, konkrete Hilfestellungen anzubieten und zu geben.

Typ 2: Mit feuchten Händen in die Prüfung – alles ist möglich
Wer tatsächlich körperliche Symptome vor und während der Prüfung zeigt, ist allein deshalb keineswegs sofort ein „Therapie“-Kandidat. Auch hier müssen Sie differenzieren:

Bei Typ 2a sorgt der Druck einer Prüfung für eine Leistungssteigerung.
Er zeigt eine gesunde Nervosität vor und während der Prüfung. Diese animiert ihn nicht nur dazu, sich gründlich und gezielt vorzubereiten. Sie steigert zudem sein Konzentrationsvermögen in der Prüfungssituation. Sie werden bei einem Azubi, der diesem Prüfungstyp entspricht, in den letzten Wochen der Ausbildung eine gewisse Unruhe und unmittelbar vor der Prüfung auch eventuell schwitzige Hände feststellen. Das sollte Sie nicht beunruhigen, wenn der Auszubildende insgesamt aber konzentriert und ausgeschlafen wirkt, seine Schwächen genau kennt und versucht, seine Wissenslücken gezielt zu schließen.

Im Grunde ist dieser Prüfungskandidat in der Lage, von sich aus das Bestmögliche aus der Prüfung herauszuholen. Zeigen Sie ihm, dass er auf dem richtigen Weg ist, heben Sie seine Stärken hervor und helfen Sie ihm bei seinen gezielt gestellten Fragen.

Typ 2b leidet an Dauernervosität, ggf. Übelkeit und Schlaflosigkeit.
Im Unterschied zu Typ 2a werden Sie bei ihm keine Indizien – ob gezielte Fragen oder Handlungen – feststellen, die auf eine strukturierte Prüfungsvorbereitung schließen lassen. Im Gegenteil: Ohne Ihre Hilfe dürfte eine effiziente Vorbereitung auf die Abschlussprüfung unmöglich sein. Bei diesem Typen handelt es sich um einen Problem-Azubi – eine Herausforderung für Sie als Ausbildungsverantwortlichen.

Um ihn erfolgreich zu unterstützen, ist es wichtig für Sie zu erkennen, dass die Symptome der Prüfungsangst über eine „gesunde Nervosität“ hinausgehen.

Arbeiten Sie Hand in Hand mit Ihrem Azubi
Die wenigsten Auszubildenden sind in der Lage, selbst etwas gegen ihre Prüfungsangst zu unternehmen. Damit unterscheiden sie sich von den meisten studierenden „Leidensgenossen“, die zum einen älter sind und zum anderen dieses Thema an der Hochschule eventuell bereits aktiv – z. B. durch den Besuch entsprechender Seminare – angehen konnten. Auszubildende sind hier auf Ihre Hilfe angewiesen.

Mögliche Maßnahmen gegen Prüfungsangst

Die Erkenntnis steht an erster Stelle. Der Auszubildende muss das Problem selbst erkennen und akzeptieren. In der Regel ist das ohnehin der Fall. Allerdings wird er sich nur in den seltensten Fällen unmittelbar an Sie wenden. Daher ist es Ihre Aufgabe, ihn anzusprechen. Maßnahmen gegen die Prüfungsangst machen nämlich nur Sinn, wenn sie als solche auch vom Auszubildenden angenommen werden.

Übung macht den Meister.
Die Vorbereitung des Stoffs, der mündlich, schriftlich und praktisch geprüft werden soll, ist das eine. Ob man jedoch dazu in der Lage ist, dieses Wissen im entscheidenden Moment „rüberzubringen“, ist dadurch nicht garantiert. Aber genau das können Sie als Ausbilder bzw. Ausbildungsverantwortlicher mit den kommenden Prüflingen üben. Spielen Sie eine Prüfungssituation durch. „Ernennen“ Sie eine Prüfungskommission, verteilen Sie Aufgaben in Prüfungsatmosphäre und befragen Sie den Azubi gezielt „von der anderen Tischseite aus“. Analysieren Sie in einem 2. Schritt gemeinsam die Stärken und Schwächen und wiederholen Sie ausgewählte Prüfungssequenzen mehrfach. So erhält Ihr Auszubildender mehr Sicherheit.

Die Angst vor der Prüfungskommission nehmen.
Angst vor der Prüfung bedeutet meist auch Angst vor den Prüfern. In aller Regel ist diese nicht gerechtfertigt. Machen Sie Ihrem Auszubildenden klar, dass es sich bei den Prüfern um ganz normale Beschäftigte seines Berufsstands handelt – dass auch der Prüfling selbst irgendwann einmal auf der anderen Seite des Tisches sitzen könnte.

Vielleicht gelingt es Ihnen auch, den Kommissionsmitgliedern ein Gesicht zu geben. Arbeiten sympathische Kollegen in Ihrem Hause in dieser Prüfungskommission (oder in irgendeiner anderen) mit? Oder Bekannte von Ihnen? Kennt der Azubi vielleicht einen Berufsschullehrer, der ehrenamtlich dort mitwirkt und bei Azubis „ankommt“?

Ist dies nicht der Fall, dann können Sie vielleicht die Namen der Prüfungskommission über Ihre Kammer erfahren. Und vielleicht hilft Ihnen auch die Bildersuche von Google weiter, um die Prüfer zu personalisieren. Gerade prüfungsängstlichen Menschen hilft es ungemein, wenn sie die Gesichter der Prüfer – mit allen Makeln – bereits kennen. Das kann für mehr Selbstsicherheit bei den Auszubildenden sorgen.

Prüfungen bereits kennen
Unter Auszubildenden werden die Prüfungsaufgaben vergangener Jahre und gezielte Prüfungsvorbereitungsliteratur häufig rege ausgetauscht und durchgearbeitet. Das hat viele positive Effekte: Die Azubis erfahren so, was abgefragt und verlangt werden könnte – mit etwas Glück können sie sogar von Wiederholungen profitieren. Für Personen, die unter Prüfungsängsten leiden, ist allerdings von besonderer Wichtigkeit, dass sie auf diese Weise lernen, souveräner mit einer Prüfung umzugehen. Ihr Selbstbewusstsein wird vor allem dadurch gestärkt, dass sie erkennen: Diese Prüfung ist machbar – auch für mich selbst.

Eltern aus dem Spiel nehmen
In manchen Fällen kommt der Leistungsdruck, der die Prüfungsängste verursacht, aus dem Elternhaus. Haben Sie diesen Eindruck, dann haben Sie die nicht ganz leichte Aufgabe, den Druck abzumildern. Lassen Sie Ihren Azubi erkennen, dass er die gesamte Berufsausbildung bislang für sich erfolgreich bewältigt hat und die Prüfung, mit der er auch ein Stück Unabhängigkeit vom Elternhaus erreichen wird, letztlich seinem eigenen beruflichen und persönlichen Fortkommen dient .

Weiter Informationen zum Thema Berufsausbildung erhalten Sie in unserem Informationsdiesnt "Berufsausbildung konkret" .


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