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Das ist Ihre Rolle als Betriebsrat bei der Stressvermeidung

19.07.2016

Burnout und andere psychische Leiden sind im Arbeitsleben auf dem Vormarsch. Leider gibt es keinen Mitbestimmungstatbestand „Vermeidung psychischen Stresses“ – trotzdem sind Ihnen die Hände nicht gebunden. Sie sind und bleiben Schlüsselfigur bei der Vermeidung und dem Abbau von Stress. Setzen Sie deswegen auf Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber.

Sie als Betriebsrat halten die Sprechstunden ab und sind Beschwerdestelle. Bis der Arbeitgeber etwas von Stress mitbekommt, ist der Mitarbeiter oft im Krankheitsstadium, also im Bereich Arbeitsausfall und Entgeltfortzahlung.

Diesen Ärger (und die Kosten) kann der Arbeitgeber aber mit Ihrer Hilfe vermeiden. Sagen Sie ihm das auch so klipp und klar. Sonst geht er nicht auf Sie zu.

Tipp: AGG nicht vergessen. 

Denken Sie auch an die Beschwerdestelle nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG). An die können sich die Mitarbeiter wenden, die sich diskriminiert fühlen.

Halten Sie zu der Beschwerdestelle regen Kontakt und verbünden Sie sich mit dieser gegen den Arbeitgeber. So bilden Sie eine noch stärkere Front gegen Stress.

Was Sie sonst noch tun können
Daneben können Sie in den Sprechstunden eine Art Erhebung machen – anonymisiert, versteht sich. Kommt es in einzelnen Abteilungen verstärkt zu Stresssymptomen? Dann kann hier etwas nicht stimmen.

Hier sollten Sie nachhaken. Unbedingt muss in dieser Abteilung nachgebohrt werden, wodurch es zu Stress kommt, um dann Abhilfe zu schaffen.

Sprechen Sie ruhig außerdem mit Führungskräften. Diese spüren Stress noch eher als der Arbeitgeber und sind ja nicht selten genug selbst Opfer von Stress.

Sensibilisieren Sie auch Ihre Kollegen im Betriebsrat zum Thema. Und bitten Sie auch Ihren Arbeitgeber, die Vorgesetzten und Führungskräfte für das Thema psychischen Stress am Arbeitsplatz zu sensibilisieren. So werden Probleme Ihrer Kollegen frühzeitig und meistens auch noch rechtzeitig erkannt.

Gehen Sie auch auf Tuchfühlung mit Ihren Kollegen. Reden, reden, reden – nur das hilft.

Wichtig: Bloß keinen Druck!
Großen Wert sollte Ihr Arbeitgeber auch darauf verwenden, Weiterbildungsdruck zu vermeiden und „lebenslanges Lernen“ als Chance kenntlich machen. Alles andere erdrückt die Kollegen förmlich.

Schauen Sie sich hierzu Ihre Betriebsstruktur einmal an. Sie werden sicher Mitarbeiter finden, die ihren Beruf vor Jahren oder Jahrzehnten gelernt haben. Es ist ganz natürlich, dass diese – gerade wenn es um moderne Technik oder EDV geht – nicht so bewandert und aufgeschlossen sind wie die Arbeitnehmer, die mit neuen Technologien faktisch groß geworden sind.

Manche Ältere werden vielleicht das Gefühl haben, mit den Jungen nicht mehr mithalten zu können. Schlussendlich fürchten sie um ihren Job (wenngleich die „Alten“ meist so umfangreiche Rechte erworben haben, dass ihnen noch die geringste Gefahr droht).

Aber auch die Jungen sind vor der Weiterbildungslast nicht gefeit. Sie wissen genau, dass sich die Technik fortentwickelt und sie sich auf dem Laufenden halten müssen.

Tipp: Bringen Sie es auf den Punkt
Punkten Sie bei Ihrem Arbeitgeber mit den Ratschlägen, die ich Ihnen nachstehend aufgelistet habe:

Fortbildung ist wichtig
Dazu müssen es aber nicht gleich teure Seminare sein. Arbeitnehmern, die eine Sache besonders gut können, ist es möglich, die anderen zu unterrichten und Wissen weiterzugeben. So sieht jeder, dass der Kollege auch nur mit Wasser kocht. Das nimmt Versagensangst.

Teams sollten aus Jung und Alt gebildet werden
Jeder kann hier von dem Wissen des anderen profitieren und so dazulernen. Damit bildet sich eine gesunde Betriebsstruktur, in der sich Jung und Alt schätzen.

Jungen unter die Arme greifen
Den Azubis sollten Sie als Betriebsrat von Anfang an besonders unter die Arme greifen. Etwa als Mentor, der die Azubis intensiv unterstützt und ihnen – wenn es sein muss – die Arbeitsabläufe 5-mal erklärt.

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