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Fast 1 Million Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger

28.04.2011

Welch ein trauriger Rekord! Im Jahr 2010 gab es so viele Sanktionen gegen ALG-II-Bezieher, wie noch nie. Fast eine halbe Million Sanktionen wurden alleine wegen Meldeversäumnissen verhängt. Es sind also nicht einmal die Pflichtversäumnisse und Arbeitsverweigerungen, die an erster Stelle stehen. Es geht schlicht und ergreifend um das Verpassen von vereinbarten Terminen.  
Ich denke, darüber sollte ausgiebig diskutiert werden. Sind Hartz-IV-Bezieher zu faul, haben sie Angst oder woran liegt es?

Es sind sicherlich viele Gründe, die hier zusammenspielen. Ein Grund dürfte auf jeden Fall die unglaubliche Bürokratie darstellen, die hier aufgebaut wird. Es handelt sich bei vielen Sozialleistungsbeziehern ja nicht um Universitätsprofessoren, sondern um ganz normale Menschen, die teilweise vielleicht noch nicht einmal lesen oder schreiben können. Und dann werden sie geradezu mit Bescheiden und Schreiben bombadiert.

Haben Sie schon einmal einen Arbeitslosengeld-II-Bescheid in den Händen gehalten? Gut, sind Sie alleinstehend ohne weitere Person, ist der Bescheid noch halbwegs verständlich. Kommen Kinder dazu, wird es allerdings schon wesentlich schwieriger. Und besteht dann noch Sonderbedarf und die Mietkosten werden übernommen, versteht doch kaum noch jemand die Bescheide. Sie werden in die Ecke gelegt und nicht weiter beachtet, da sie ohnehin keine weiteren Aufschlüsse bieten.

Und dann kommt dazwischen noch ein Schreiben mit der Bitte, sich zu melden. Das kommt dann auch auf den Stapel, da man die Schreiben ja ohnehin nicht verstehen kann.

Das ist natürlich nur eine simple Erklärung und kann eigentlich keine Entschuldigung sein. So sieht aber die Praxis aus und dazu kommt dann noch, dass vielfach der Gang zum Jobcenter als überflüssig empfunden wird, da dort ohnehin keine Arbeit angeboten wird.

Mich würde einmal interessieren, was das Verhängen der Sanktionen alleine an bürokratischem Aufwand gekostet hat.

Nicht ohne Grund schiebt die Bundesagentur für Arbeit ja einen Milliarden-Schuldenberg vor sich her.

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