verständlich, unabhängig, rechtssicher

Arbeitnehmerrechte und betriebliche Interessen rechtssicher vertreten und durchsetzen.


Sprechverbot am Arbeitsplatz – Ist das rechtmäßig?

23.08.2010

Manchmal denke ich als Arbeitsrechtler, dass ich nunmehr sämtliche Tricks und Kniffe der Arbeitgeber kenne. Aber fast täglich werde ich von der Realität überrollt. Jetzt habe ich von einem Betrieb erfahren, in dem der Chef sämtlichen seiner Angestellten jede private Unterhaltung während der Arbeitszeit untersagt hat. Gleichzeitig hat er bei einer Zuwiderhandlung mit einer Abmahnung und im Wiederholungsfall mit einer Kündigung gedroht. 
Welch eine tolle Motivation für die Mitarbeiter!

Darf der Arbeitgeber das?

Meines Erachtens geht diese Anweisung zu weit. Schon die Frage „Wie geht es Ihnen?“ ist damit verboten.

Nach § 106 der Gewerbeordnung kann der Arbeitgeber Inhalt, Ort und Zeit der Arbeitsleistung nach billigem Ermessen bestimmen. Dies bedeutet, dass er den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz einhalten muss. Natürlich haben Arbeitnehmer sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren und private Unterhaltungen haben grundsätzlich während der Arbeitszeit am Arbeitsplatz nichts zu suchen. Dies gilt erst recht in den Betrieben, in denen eine wesentlich erhöhte Konzentration erforderlich ist. Hier handelt es sich jedoch um Ausnahmefälle.

Im Regelfall wird das Verbot der privaten Unterhaltung gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz verstoßen. Warum sollen sich Arbeitnehmer, die während der Unterhaltung Ihre Arbeit geflissentlich und ordentlich erledigen, nicht auch wenigstens auch einige wenige Sätze über das Privatleben austauschen können?

Als grobe Richtlinie gilt: Wird die Arbeitsleistung nicht beeinträchtigt, dürfen Sie auch private Gespräche führen. Das wird Ihnen Ihr Arbeitgeber nicht verbieten dürfen.

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Die wichtigsten deutsch geführten Unternehmen, die sogenannten DAX-Unternehmen, möchten den Frauenanteil bei Führungskräften verstärken. In den Vorständen beträgt die Quote derzeit 3,7 %  

| 17. November 2011

Über die Führung von Personalakten gibt es immer wieder Streit. Hier lesen Sie das Wichtigste zu diesem Thema: 1. Ein Arbeitgeber ist nicht zur Führung von Personalakten verpflichtet. Bewahrt er allerdings Schriftstücke,...

| 16. Mai 2010

Soeben habe ich in einem Forum eine interessante Meinung gelesen. Dort wurde das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz so dargestellt, als wäre es quasi überflüssig. Was ist eigentlich genau in dem Gesetz geregelt?  

| 30. Januar 2011
© 2017, VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft