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Was können Sie tun, wenn Ihr Arbeitgeber keinen schriftlichen Arbeitsvertrag ausstellen möchte?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um einen Arbeitsvertrag abzuschließen. Ein mündliches Arbeitsverhältnis ist ebenso gültig wie ein schriftlich festgehaltener Arbeitsvertrag. Allerdings bietet ein schriftlicher Arbeitsvertrag für Arbeitnehmer und Arbeitgeber einige Vorteile. So wissen beide Seiten von Anfang an, was auf sie zukommt und welche Arbeitsbedingungen gültig sind. In Deutschland sind schriftliche Arbeitsverträge die Regel, während nur selten ausschließlich mündliche Vereinbarungen getroffen werden.

Trotzdem ist der Arbeitgeber vom Gesetz her nicht dazu verpflichtet, einen schriftlichen Arbeitsvertrag abzuschließen und kann Ihr Arbeitsverhältnis auch mit einem Handschlag besiegeln. Gerade in kleinen Firmen verzichten viele Arbeitgeber vollständig auf schriftliche Arbeitsverträge oder fertigen solche nur äußerst ungern an. Das liegt daran, dass der Arbeitnehmer mit einem schriftlichen Arbeitsvertrag die Möglichkeit hat, auf die Einhaltung der festgelegten Regeln zu bestehen. Dann können Sie beispielsweise auch Ihr Weihnachtsgeld einklagen, selbst wenn der Umsatz dafür im aktuellen Jahr nicht ausreicht. Daran haben nicht alle Firmen ein Interesse.

Im Folgenden erfahren Sie, welche Möglichkeiten Sie haben, wenn Ihr Arbeitgeber keinen schriftlichen Arbeitsvertrag mit Ihnen abschließen möchte und welche gesetzlichen Ansprüche Sie in diesem Zusammenhang haben. Zudem verraten wir Ihnen, wie Sie in Streitfällen bei diesem Thema am besten vorgehen.

Trauen Sie sich: Fragen Sie nach einem schriftlichen Arbeitsvertrag

Wenn Sie ein neues Arbeitsverhältnis beginnen, sollten Sie von Anfang an freundlich um einen schriftlichen Arbeitsvertrag bitten. Sollte der Arbeitgeber diesen schriftlichen Vertrag verweigern oder Sie hinhalten, dann können Sie ihn mit einem nett formulierten Schreiben um einen sogenannten schriftlichen Nachweis der Arbeitsbedingungen bitten. Wenn Ihr Arbeitgeber daraufhin immer noch keine Reaktion zeigen sollte, fertigen Sie ein weiteres Schreiben an, in dem Sie ihn daran erinnern, dass Sie die Erstellung und Aushändigung eines solchen Nachweises wünschen.

Der Arbeitgeber ist zur Aushändigung eines Nachweises über das Arbeitsverhältnis verpflichtet

Nach § 2 NachwG ist jeder Arbeitgeber dazu verpflichtet, Ihnen spätestens einen Monat nach Antritt des Arbeitsverhältnisses einen schriftlichen Nachweis auszuhändigen, in welchem die für das Arbeitsverhältnis geltenden Arbeitsbedingungen festgehalten sind. Auf eine solche Niederschrift haben Sie immer Anspruch, auch wenn der Arbeitgeber keinen richtigen Arbeitsvertrag bereitstellen möchte. Der Nachweis muss mindestens die folgenden Informationen enthalten:

  • Name und Anschrift beider Vertragsparteien
  • Zeitpunkt der Aufnahme des Arbeitsverhältnisses
  • Bei befristeten Arbeitsverhältnissen die voraussichtliche Dauer
  • Arbeitsort
  • Beschreibung der Tätigkeit, die der Arbeitnehmer leisten wird
  • Höhe und Zusammensetzung der Vergütung einschließlich sämtlicher Sonderzahlungen, Prämien, Zulagen oder Zuschläge
  • Arbeitszeit
  • Urlaubsdauer
  • Kündigungsfristen
  • Hinweis auf Betriebs- oder Dienstvereinbarungen sowie Tarifverträge, die für das Arbeitsverhältnis gelten

Diese Informationen müssen schriftlich festgehalten, vom Arbeitgeber unterzeichnet und an Sie ausgehändigt werden. Wenn sich die entsprechenden Arbeitsbedingungen später noch einmal ändern, muss der Arbeitgeber innerhalb eines Monats dazu ebenfalls schriftliche Angaben anfertigen und diese dem Arbeitnehmer übergeben.

Die Aushändigung des Nachweises über die Arbeitsbedingungen kann eingeklagt werden

Wenn der Arbeitgeber auch den schriftlichen Nachweis über die Arbeitsbedingungen verweigert, haben Sie die Möglichkeit, die schriftlich fixierten Arbeitsbedingungen vor dem Arbeitsgericht einzuklagen. Ein solches Vorhaben sollte aber wohlüberlegt sein. Wenn Sie Wert darauf legen, Ihr Arbeitsverhältnis fortzuführen, ist es nicht ratsam, den eigenen Chef zu verklagen. Trotzdem ist es wichtig, dass Sie den Nachweis der Arbeitsbedingungen schriftlich beantragen. Später können Sie diesen Antrag jederzeit wieder vorlegen, was eine wichtige Voraussetzung dafür ist, sich bei einem eventuell später auftretenden Konflikt gegen den Arbeitgeber durchzusetzen – selbst wenn der Arbeitgeber den Nachweis verweigert oder Sie hingehalten hat. Der verweigerte Nachweis kann in einem eventuellen Arbeitsgerichtsprozess die Beweisaufnahme erleichtern. Unter Umständen haben Sie gegen den Arbeitgeber sogar einen Anspruch auf Schadenersatz. Bewahren Sie daher alle Schreiben an den Arbeitgeber für den Ernstfall gut auf.

Lassen Sie sich juristisch beraten

Falls Sie sich später mit Ihrem Arbeitgeber über die Arbeitsbedingungen streiten, aber keinen schriftlichen Arbeitsvertrag und auch keine Niederschrift über die Arbeitsbedingungen haben, müssen Sie Ihre Sichtweise beweisen können. In jedem Fall sollten Sie sich dann rechtlichen Beistand von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht einholen. Er wird Sie dahingehend beraten, ob Sie Anspruch auf Schadenersatz haben und wie Sie Ihre Interessen gegen den Arbeitgeber durchsetzen können. Laien dürfte es schwerfallen, die notwendigen Beweise zu erbringen, die verdeutlich, dass Sie den Antrag auf einen schriftlichen Nachweis der Arbeitsbedingungen zwar gestellt haben, der Arbeitgeber Ihnen diese Niederschrift aber verweigert hat. Zudem kann nur ein Fachmann prüfen, ob Sie aufgrund des Versäumnisses des Arbeitsgebers Schadenersatz beanspruchen können.

Im Zweifelsfall gilt: Wenn der Arbeitsvertrag nur mündlich vereinbart wurde und es keinerlei schriftliche Regelungen gibt, gilt das, was im Arbeitsrecht verankert ist. Das bedeutet, dass Sie Anspruch auf die Anzahl der gesetzlich vorgeschrieben Urlaubstage haben und nicht mehr als acht Stunden pro Tag arbeiten dürfen. Außerdem steht Ihnen der berufs- und branchenübliche Lohn zu. Darüber hinaus können Sie geregelte Pausenzeiten und eine Lohnfortzahlung bei Krankheit einfordern. Falls für Ihren Beruf ein Tarifvertrag existiert, so ist dieser gültig.

13.07.2016
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