29.06.2009

Arbeitsverträge – Abrufarbeit

Immer häufiger werden von Arbeitgebern Abrufarbeitsverhältnisse vereinbart. Das hat für den Arbeitgeber den Vorteil, dass seine Arbeitnehmer immer nur dann zur Arbeit erscheinen, wenn tatsächlich Arbeit vorhanden ist.

Allerdings gibt es für den Arbeitgeber auch bestimmte Vorschriften zu beachten. Diese stehen in § 12 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes. Danach müssen Sie sich mit Ihrem Arbeitgeber auf eine bestimmte Dauer der wöchentlichen und täglichen Arbeit festlegen. Wenn Sie dieses versäumen oder Ihr Arbeitgeber eine solche Festlegung nicht will, gilt eine Arbeitszeit von 10 Stunden als vereinbart. Ist die Dauer der täglichen Arbeit nicht festgehalten worden, müssen Sie die Arbeitsleistung jeweils für mindestens 3 aufeinander folgende Stunden erbringen und Ihr Arbeitgeber muss diese in Anspruch nehmen. 
Wichtig: Sie sind zur Arbeitsleistung nur verpflichtet, wenn Ihnen Ihre Arbeitszeit mindestens 4 Tage im Voraus mitgeteilt wurde. Andernfalls können Sie zu Hause bleiben und erhalten trotzdem das Geld.

Durch einen Tarifvertrag kann allerdings auch zu Ihren Ungunsten von diesen Regelungen abgewichen werden. Erkundigen Sie sich daher genau, ob ein Tarifvertrag Anwendung findet.

Auch als Arbeitnehmer auf Abruf haben Sie sämtliche Rechte und Pflichten wie alle anderen Arbeitnehmer auch. Insbesondere haben Sie Anspruch auf Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und Kündigungsschutz, soweit die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen. Insbesondere darf Ihr Arbeitgeber nicht von folgenden Regelungen abweichen:

•    Beachtung der Arbeitszeiten nach dem Arbeitszeitgesetz (ArbZG)
•    100 % Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und an Feiertagen nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz
•    Keine Diskriminierungen wegen Rassevorurteilen, der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters insbesondere nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz
•    Keine Benachteiligung von Teilzeitkräften (§§ 1, 4 Teilzeit- und Befristungsgesetz)
•    Kündigungsschutz nach dem Kündigungsschutzgesetz
•    Besonderer Kündigungsschutz z. B. für Schwangere, Elternzeitler, Pflegezeitler nach dem Pflegezeitgesetz, Betriebsratsmitglieder oder Schwerbehinderte

Im Fall der Abrufarbeit kann ein Arbeitgeber viele Fehler machen, die sich zu Ihren Gunsten auswirken können. Lassen Sie sich im Zweifel rechtlich beraten.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Kündigung – Klage häufig erfolgreich

Haben Sie auch eine Kündigung Ihres Arbeitsverhältnisses erhalten? Häufig ist eine Klage gegen die Kündigung erfolgreich. Dieses zeigt auch der Fall, den ich Ihnen heute schildere: Eine Arbeitnehmerin war seit 1993 als... Mehr lesen

23.10.2017
Die Höhe des Urlaubsentgelts und der Urlaubsabgeltung

„Herr Schrader, worin besteht der Unterschied zwischen dem Urlaubsentgelt und der Urlaubsabgeltung? Und was ist mit dem neuen Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Abgeltung? Können Sie mir das bitte erklären?“ –... Mehr lesen

23.10.2017
Wegnahme des Firmenwagens – das darf Ihr Arbeitgeber

Viele Arbeitnehmer, vor allen Dingen im Außendienst, dürfen einen Firmenwagen fahren. Kommt es zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu Streitigkeiten, ist häufig als erstes der Dienstwagen weg. Der Arbeitgeber fordert seinen... Mehr lesen