16.01.2010

Arbeitszeit bei 400-€-Job / Minusstunden

Frage: „Ich arbeite auf 400-€-Basis an einer Tankstelle. Bisher lief alles bestens. Nun haben wir einen neuen Chef bekommen und der rechnet die 400-€-Kräfte pauschal ab. Er macht die Lohnabrechnung Mitte des Monats fertig und nimmt als Berechnungsgrundlage die durchschnittliche Stundenzahl der letzten Monate. In der Regel komme ich immer auf meine 400 €. Im letzten Monat habe ich allerdings nur einmal gearbeitet wegen Krankheit, Weihnachten und so weiter. Nun habe ich die kompletten 400 € erhalten, habe aber gar nicht so viel gearbeitet. Deshalb habe ich laut meinem Chef jetzt 40 Minusstunden, die mit dem nächsten Lohn wieder abgezogen werden.  

Da er das aber jeden Monat pauschal abrechnet ohne die genaue Stundenzahl zu wissen, rutsche ich automatisch immer wieder ins Minus. Es sei denn, dass ich diesen Monat statt der 50 Stunden 90 Stunden arbeite. Das geht aber nicht, da ich ja noch einen Hauptjob habe. Ist das, was mein Chef macht, überhaupt in Ordnung?“

Antwort: Das scheint mir so nicht richtig zu sein, was Ihr Chef macht. Offensichtlich haben Sie ein Arbeitsverhältnis auf Abruf nach § 12 Teilzeit- und Befristungsgesetz. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können danach vereinbaren, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung entsprechend dem Arbeitsanfall zu erbringen hat. Diese Vereinbarung muss aber eine bestimmte Dauer der wöchentlichen täglichen Arbeitszeit festlegen. Wenn die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit nicht festgelegt ist, gilt eine Arbeitszeit von 10 Stunden als vereinbart. Ist die Dauer der täglichen Arbeitszeit nicht festgelegt, hat der Arbeitgeber die Arbeitsleistung jeweils für mindestens drei aufeinander folgende Stunden Anspruch zu nehmen. Außerdem sind Sie nur zur Arbeitsleistung verpflichtet, wenn der Arbeitgeber Ihnen die Lage der Arbeitszeit mindestens 4 Tage im Voraus mitteilt.

Etwas anderes gilt wiederum nur, wenn Sie die Führung eines Arbeitszeitkontos vereinbart haben. Im Fall haben Sie davon aber nichts geschrieben. Aus diesen Gründen geht Ihr Arbeitgeber nicht rechtmäßig vor. Andererseits können Sie froh sein, dass Sie für den letzten Monat Ihre vollen 400 € bekommen haben.

Fazit: Sprechen Sie mit Ihrem Chef, dass es Ihnen nicht möglich ist, die Arbeitszeit nachzuleisten, wegen Ihres Hauptjobs. Am besten einigen Sie sich auf feste Arbeitszeiten!

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Lohnabrechnung und Gehaltsabrechnung auf den Punkt gebracht – Teil I

Über falsche oder gar nicht erhaltene Lohnabrechnungen oder Gehaltsabrechnungen gibt es immer wieder Streit. Zuletzt habe ich von einer Arbeitnehmerin erfahren, dass diese nur die Hälfte ihres Lohns erhalten hat, da sich die... Mehr lesen

23.10.2017
Internet und Internetnutzung am Arbeitsplatz – Teil 7: die Interessenabwägung bei einer Kündigung

Gestern hatte ich Ihnen berichtet, was Sie im Fall einer Kündigung wegen einer ausufernden Internetnutzung machen sollten. Wichtig für Sie zu wissen ist, dass Ihr Arbeitgeber vor Ausspruch einer Kündigung immer eine... Mehr lesen

23.10.2017
Kurzarbeitermodell „18 + 12 + 24“nur für Ältere Diskriminierend

Der Fall: Ein Arbeitgeber schloss mit seinem Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung über die Einführung von Kurzarbeit Null für alle Arbeitnehmer, die 59 Jahre oder älter waren. Konkret war das Modell „18 + 12 + 24“... Mehr lesen