verständlich, unabhängig, rechtssicher

Arbeitnehmerrechte und betriebliche Interessen rechtssicher vertreten und durchsetzen.


Mehrere Jobs – Das passiert, wenn sich Arbeitszeiten überschneiden

18.10.2010

Gehören Sie auch zu den Arbeitnehmern, die mehrere Jobs haben? Dieses ist heutzutage mehr als üblich. Was aber geschieht, wenn sich die Arbeitszeiten einmal überschneiden?  
Ein Beispiel: Sie haben einen 30-Stunden-Job von montags bis donnerstags. Nun sollen Sie einmalig auch am Freitag arbeiten. Freitags und samstags haben Sie jedoch bereits einen anderen Job an einer Tankstelle als Kassierer angenommen. Was ist nun zu tun? Schließlich können Sie sich nicht aufteilen. Genauso kann es Ihnen natürlich einmal geschehen, dass Ihr Arbeitgeber an der Tankstelle Sie bittet, einmal montags zu arbeiten. Auch dem Wunsch können Sie natürlich nicht nachkommen.

Was ist also zu tun? Zunächst sollten Sie in Ihren Arbeitsvertrag schauen. Vergewissern Sie sich, welches Ihre vertraglichen Rechte und Pflichten sind. Sind in Ihrem Hauptarbeitsvertrag die Arbeitstage genau festgelegt, müssen Sie an den anderen Tagen nicht arbeiten. Steht dort also, dass Sie 30 Stunden von montags bis donnerstags zu leisten haben, müssen Sie Freitag bis Sonntag auch nicht zur Arbeit erscheinen.

Sind die einzelnen Wochentage nicht aufgeführt, sondern nur eine maximale Wochenarbeitszeit und haben Sie diese am Donnerstagabend bereits erfüllt, müssen Sie auch in diesem Fall nicht Freitag arbeiten.

Etwas schwieriger wird es, wenn es sich um Überstunden handelt. Aber auch Überstunden müssen Sie überhaupt nur dann ableisten, wenn Sie sich vertraglich dazu verpflichtet haben. Fehlt also eine Formulierung wie etwa „Der Arbeitnehmer verpflichtet sich, Überstunden zu leisten“, müssen Sie auch in diesem Fall Freitag nicht arbeiten.

Haben Sie sich zu Überstunden verpflichtet und keine konkreten Arbeitszeiten im Arbeitsvertrag vereinbart, sind Sie tatsächlich verpflichtet, die Überstunden beispielsweise freitags, abzuleisten. Kennt Ihr Arbeitgeber jedoch Ihre persönliche Situation und weiß er von dem Nebenjob, trifft ihn eine besondere Treuepflicht. In solch einem Fall kann er verpflichtet sein, einen anderen Arbeitnehmer mit der Durchführung der Überstunden zu beauftragen. Letztendlich muss er hier eine Verhältnismäßigkeitsprüfung vornehmen.

Im schlechtesten Fall fehlen Sie tatsächlich unentschuldigt – mit allen rechtlichen Konsequenzen.

Fazit: Falls Sie mehrere Arbeitsverhältnisse eingehen wollen, sollten Sie dieses bei Abschluss der Arbeitsverträge bereits bedenken. Wollen Sie an einem bestimmten Tag in der Woche einen Zweitjob annehmen, können Sie sich im Arbeitsvertrag mit dem Erstjob bereits diesen Tag freihalten.
Andernfalls kann es sein, dass Sie zur gleichen Zeit Ihre Arbeitsleistung zwei Arbeitgebern anbieten müssen und dieses tatsächlich nicht können. Dann machen Sie sich schadenersatzpflichtig und fehlen in einem Job unentschuldigt. Das ist sicherlich keine gute Lösung.

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

In der Wirtschaftskrise ist fast alles denkbar – auch dieses: In einem Betrieb wurden im Jahr 2009 viele Überstunden geleistet, die auf einem Stundenkonto gut geschrieben wurden. Damit sollte bei einer Verschlechterung der...

| 21. März 2010

Das statistische Bundesamt teilte mit, dass jeder 10. Erwerbstätige im Jahr 2009 im Durchschnitt mehr als 48 Stunden pro Woche gearbeitet hat. 4,3 % haben sogar angegeben, sie hätten mehr als 60 Stunden pro Woche gearbeitet. Was...

| 13. November 2010

Sie haben als Arbeitnehmer einen Anspruch auf eine Verringerung Ihrer vertraglich vereinbarten Arbeitszeit. Dies ergibt sich aus § 8 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes. Wichtig ist dabei, dass in der Regel mehr als 15...

| 20. Mai 2010
© 2017, VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft