verständlich, unabhängig, rechtssicher

Arbeitnehmerrechte und betriebliche Interessen rechtssicher vertreten und durchsetzen.


Benachteiligung von Schwangeren bei Stellenbesetzung

10.02.2011

Wieder einmal hat sich das Bundesarbeitsgericht (BAG) mit der Benachteiligung einer Schwangeren in einem Bewerbungsverfahren beschäftigen müssen (Urteil vom 27.01.2011, Az.: 8 AZR 483/09).

 
Eine Arbeitnehmerin bewarb sich mit 2 weiteren männlichen Kollegen um eine Stelle. Sie wurde abgelehnt und klagte auf eine Entschädigung. Ihre Meinung: Kurz vor Bekanntgabe der Entscheidung der Stellenbesetzung sei sie auf ihre Schwangerschaft angesprochen worden. Deshalb sei sie nicht genommen worden und einer der Männer habe den Job erhalten.

Der Arbeitgeber argumentiert, er habe bei Besetzung der Stelle nur sachliche Gründe berücksichtigt und eben nicht die Schwangerschaft.

Das BAG verwies den Fall an das zuständige Landesarbeitsgericht zurück. Es sagte deutlich, dass Arbeitnehmer weitere Tatsachen vortragen müssen, wenn sie einen Entschädigungsanspruch wegen einer Diskriminierung geltend machen wollen. Allein die Tatsache, dass dem Arbeitgeber die Schwangerschaft bekannt war, reicht wohl nicht aus. Allerdings ist an einen Tatsachenvortrag keine besonders hohe Anforderung zu stellen.

Fazit: Nur die Kenntnis des Arbeitgebers von einer Schwangerschaft führt noch nicht zu einer Diskriminierung. Sie haben als Bewerberin plausible Anhaltspunkte dafür zu geben, dass die Schwangerschaft für die nicht erlangte Stelle ausschlaggebend gewesen ist. Nur dann handelt es sich um eine Diskriminierung.

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Der Fall: Eine 41jährige hatte sich in einem Callcenter beworben. In der Ausschreibung war eine Altersspanne von 18 bis 35 Jahren angegeben. Außerdem wurde ein Bewerber „für unser junges Team“ gesucht. Die Bewerberin...

| 10. November 2010

Vielleicht haben Sie sich schon auf Ihre neue Stelle gefreut? Und da flattert Ihnen als böse Überraschung schon vor Arbeitsantritt die Kündigung ins Haus. Zulässig ist das leider. Frist eingehalten – keine Ansprüche Hält...

| 17. August 2009

Immer wieder bekomme ich Anfragen zum Führungszeugnis. Häufig verlangen Arbeitgeber die Vorlage eines solchen Zeugnisses, insbesondere in Berufen, in denen der Arbeitnehmer etwas mit Geld zu tun hat. Daher habe ich Ihnen gestern...

| 18. Februar 2010
© 2017, VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft