10.08.2010

Einkaufsgutscheine als Arbeitsentgelt

Arbeitgeber versuchen alles, um Kosten zu sparen. Jetzt wollte ein Arbeitgeber Mitarbeiter zu einer Gehaltsumwandlung zwingen. Anstelle eines Teils seines Bruttoeinkommens sollten die Mitarbeiter Einkaufsgutscheine für bestimmte Warenhäuser und Discounter erhalten. Die Arbeitnehmer waren damit nicht einverstanden und fragten, ob dies einfach so machbar sei, oder ob eine Änderungskündigung erforderlich sei.  
Meines Erachtens funktioniert beides nicht: Arbeitnehmer haben für Ihre Arbeitsleistung die vereinbarte Vergütung zu bekommen. Natürlich kann ein Teil der Vergütung auch eine Ausgabe von Gutscheinen sein. Dies ist jedoch nicht durch eine Änderungskündigung möglich und erst recht nicht dadurch, dass der Arbeitgeber einfach in dieser Art und Weise verfährt. Eine freiwillige einzelvertragliche Vereinbarung ist auf jeden Fall erforderlich.

Mir scheint das Vorgehen des Arbeitgebers aber auch darauf abzuzielen, dass Steuern und Sozialversicherungsbeiträge nicht mehr abgeführt werden sollen. Denn eines dürfte klar sein: Ob der Arbeitnehmer Bruttoarbeitsentgelt oder Gutscheine erhält, beides unterliegt der Steuer- und Sozialabgabenpflicht.

Lediglich kleine Aufmerksamkeiten, die aus einem besonderen Anlass wie bspw. kleine Geschenke zum Geburtstag oder zur Hochzeit gewährt werden, sind von der Besteuerung ausgenommen, wenn der Wert der Sachzuwendung einen Betrag von 40 Euro nicht übersteigt. Das sind aber große Ausnahmefälle!

Also: Möchte auch Ihr Arbeitgeber Sie zu einer Gehaltsumwandlung „zwingen“ und Ihnen künftig nur noch Gutscheine aushändigen, ist das ohnehin nur möglich, wenn Sie damit einverstanden sind. Dann wird es sich jedoch im Regelfall um eine rechtswidrige Tat handeln, da nur Steuern- und Sozialversicherungsbeträge in unerlaubter Weise gekürzt werden sollen. Lassen Sie die Finger davon!

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Auszubildende kochen Kaffee – ist das in Ordnung?

Kennen Sie das auch: Auszubildende kochen Kaffee, fegen die Werkstatt oder machen im Keller die Ablage? Was ist rechtlich erlaubt und was nicht? Die theoretische Antwort gibt das Berufsbildungsgesetz. Nach § 14 Abs. 2 BBiG... Mehr lesen

23.10.2017
Sorgen Sie für Ihr Alter vor – wie denn?

Die gesetzlichen Renten reichen nicht fürs Alter. So hört man es immer wieder von Politikern. Private Vorsorge ist also gefragt. Nun schauen wir uns einmal eine typische deutsche Kleinfamilie an:  Mehr lesen

23.10.2017
Ärztliche Bescheinigung und Wochenende – Das sind Ihre Pflichten

Ein Arbeitnehmer hatte in der vergangenen Woche von montags bis freitags einen Krankenschein. Eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hat er bei seinem Arbeitgeber eingereicht. Am Wochenende musste er nicht arbeiten und... Mehr lesen