08.06.2010

Mindestlohn von Rechtsanwälten – Teil 2

In meinem gestrigen Blog hatte ich bereits die Frage gestellt, wie viel ein angestellter Anwalt verdienen soll. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat sich mit Beschluss vom 30.11.2009, Az.: AnwZ(b) 11/08, eingeschaltet. Es ging um den bereits gestern geschilderten Fall. Ein Rechtsanwalt sollte als Einsteiger mit einem Referendar-Gehalt, also etwa 1.000 Euro brutto, beschäftigt werden.

Auch der BGH sagt, dass die Bedingungen jedenfalls dann unangemessen sind, wenn Leistung und Gegenleistung in einem auffälligen Missverhältnis zueinander stehen, welches einen objektiven Verstoß gegen die guten Sitten nach § 138 BGB begründet.  
Auch der BGH sagt, dass die Bedingungen jedenfalls dann unangemessen sind, wenn Leistung und Gegenleistung in einem auffälligen Missverhältnis zueinander stehen, welches einen objektiven Verstoß gegen die guten Sitten nach § 138 BGB begründet.
Im Jahr 2006 betrug das übliche durchschnittliche Einstiegsgehalt 2.300 Euro. Dabei ist von einem Berufsanfänger ohne besondere Spezialisierung, ohne Zusatzqualifikationen und ohne Prädikatsexamen auszugehen. Wenn wie hier, der Berufsanfänger maximal 1.250 Euro erhält, ist dies sittenwidrig.

Außerdem ist von einer Sittenwidrigkeit auszugehen, wenn ein geringer qualifizierter Rechtsanwalt weniger als eine Rechtsanwalts- und Reno-Fachangestellte verdient.

Der deutsche Anwaltsverein hat in einem Merkblatt mit Stand Mai 2009 festgestellt, dass Reno-Fachangestellte bei einer 38 bis 40 Stunden-Woche als Berufsanfänger 1.300 Euro bis 1.600 Euro verdienen und ab dem 5. Berufsjahr mindestens 1.700 Euro erhalten. Hinzu kommen noch Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld, welches in vielen Kanzleien gezahlt wird.

Fazit: Auch angestellte Rechtsanwälte mit geringer Qualifikation müssen nicht für einen Hungerlohn arbeiten.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Ihr Chef muss Ihren Resturlaub nicht immer abgelten!

Leserfrage: “Wann muss mein Arbeitgeber eigentlich meinen Resturlaub bezahlen? Gibt es dazu eine gesetzliche Verpflichtung?“  Mehr lesen

23.10.2017
Rechtsirrtümer des Arbeitsrechts – Teil 14

Irrtum: Aushilfen bekommen keine Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall Heute und in den nächsten Tagen werde ich Ihnen die in der Praxis am häufigsten vorkommenden Rechtsirrtümer im Arbeitsrecht vorstellen: Damit Sie die Fehler... Mehr lesen

23.10.2017
Einführung eines neuen Datenverarbeitungssystems

Zwischen dem Arbeitgeber und dem Betriebsrat wird folgende Betriebsvereinbarung zur Einführung eines neuen Datenverarbeitungssystems geschlossen:   Präambel Mit dem Abschluss dieser Betriebsvereinbarung wollen Arbeitgeber... Mehr lesen