verständlich, unabhängig, rechtssicher

Arbeitnehmerrechte und betriebliche Interessen rechtssicher vertreten und durchsetzen.


Arbeitsunfähigkeit, Gelber Schein und neue Krankheiten

Kennen Sie

•    das Sissy-Syndrom?
•    das Klingel-Syndrom (Ringxiety)?
•    das Aging-Male-Syndrom?
•    die Orthorexie?

Nein? Ich bisher auch nicht. Glücklicherweise habe ich gestern die Juli-Ausgabe der „Healthy Living“ meiner Frau in die Hände bekommen. Dort wurden neue Modekrankheiten, die aber eine reine Erfindung sein sollen, beschrieben. Am Ende des Beitrages werde ich Ihnen einige dieser „Krankheiten“ erklären.

Falls Sie aber wirklich einmal krank sein sollten, sind Sie verpflichtet, unverzüglich die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer Ihrem Arbeitgeber mitzuteilen. 
Am 4. Tag haben Sie den Gelben Schein Ihres Arztes einzureichen.

Achtung: Diese Frist kann bspw. im Arbeitsvertrag verkürzt sein. Schauen Sie einmal nach, ob Sie bereits am 1. Tag eine solche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung einreichen müssen.

Von Ihrem Arzt erhalten Sie eine doppelte Ausfertigung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Eine Bescheinigung reichen Sie bei Ihrem Arbeitgeber ein, die andere, auf der auch der Krankheitsgrund eingetragen ist, bei Ihrer Krankenkasse. Das Landessozialgericht NRW ist allerdings der Auffassung, dass es Aufgabe des Arztes ist, die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung an die Krankenkasse weiter zu reichen (Landessozialgericht NRW, Urteil vom 26.08.2004, Az.: L 16 KR 324/03).

Tipp: Viele Ärzte kennen Ihre gesetzliche Verpflichtung nicht oder wollen sie nicht wahr haben. Damit Ihnen keine Nachteile entstehen, sollten Sie lieber selbst dafür sorgen, dass Ihre Krankenkasse die Mitteilung erhält.

Und nun zu den neuen Krankheiten:

Das Sissi-Syndrom soll laut der Zeitschrift „Healthy Living“ auf die Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837-1898) zurückgehen. Es soll sich um eine vorübergehende Traurigkeit oder kurzfristige Antriebsschwäche handeln.

Das Klingel-Syndrom (Ringxiety) soll dann vorliegen, wenn Sie zu Ihrem Mobiltelefon greifen, obwohl es gar nicht klingelt. Dieses eingebildete Klingeln ist jedoch keine Krankheit.

Die männlichen Wechseljahre (Aging-Mail-Syndrom) gibt es auch nicht. Wie jeder Mensch hat auch ein Mann ab ca. 50 Jahren altersbedingte Schwächen.

Auch die Orthorexie scheint keine ernstzunehmende Krankheit zu sein. Hierbei soll es sich um eine Fixierung auf gesundes Bio-Essen handeln.

Fazit: Eine gute Gesundheit geht über alles. Wir sollten froh sein, wenn wir keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung benötigen. Vergessen Sie aber nie, eine ärztliche Bescheinigung bei Ihrer Krankenkasse einzureichen.

17.06.2009
Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Der Fall: Ein Arbeitnehmer wird krank und meldet sich am Mittwoch rechtzeitig mit dem Hinweis ab, er wisse nicht, wie lange er zu Hause bleiben müsse. Am Montag kommt er dann wieder zur Arbeit. Muss er nun eine...

| 20. Oktober 2009

Wieder einmal hat ein Arbeitnehmer völlig zu Unrecht Ärger mit seinem Arbeitgeber bekommen. Folgendes war geschehen: Der Arbeitnehmer war arbeitsunfähig erkrankt und lag bis zum 15. September im Krankenhaus. Dann erhielt er...

| 4. Oktober 2010

Irrtum: Ein krankgeschriebener Arbeitnehmer darf nicht gekündigt werdenHeute und in den nächsten Tagen werde ich Ihnen die in der Praxis am häufigsten vorkommenden Rechtsirrtümer im Arbeitsrecht vorstellen: Damit Sie die...

| 4. April 2010
© 2017, VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft