01.11.2010

Versetzung nach längerer Krankheit – Ist das möglich?

Stellen Sie sich vor, Sie arbeiten seit Jahren im Lager eines Unternehmens. Nun waren Sie 3 Monate krankgeschrieben und bereits im Krankengeldbezug. Als Sie jetzt wieder gesund werden, gehen Sie zu Ihrem Arbeitgeber und wollen Ihre Arbeit wieder aufnehmen. Nun teilt er Ihnen mit, dass Sie nicht mehr im Lager tätig sein sollen, sondern als LKW-Fahrer. Was ist nun zu tun? Ist das möglich?

 
Zunächst hilft ein Blick in den Arbeitsvertrag. Steht dort, dass Sie auch als LKW-Fahrer eingesetzt werden können, hat Ihr Arbeitgeber Ihnen zu Recht diese Arbeit zugewiesen. Er darf Sie auf diesen Arbeitsplatz versetzen. Dabei hat er natürlich den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu wahren. Die Maßnahme darf nicht willkürlich sein und selbstverständlich auch keine Schikanemaßnahme.

Fehlt in Ihrem Arbeitsvertrag eine entsprechende Klausel prüfen Sie weiter: Sind Sie tatsächlich nur und ausschließlich als Lagerarbeiter laut Arbeitsvertrag eingestellt, hat Ihr Arbeitgeber Sie auch als Lagerarbeiter zu beschäftigen. Eine Fahrtätigkeit scheidet aus.

Haben Sie nur einen mündlichen Arbeitsvertrag? Verlangen Sie Ihre schriftlichen Arbeitsbedingungen!

Steht nichts im Arbeitsvertrag, kann Ihr Chef Sie mit sämtlichen gleichwertigen Tätigkeiten betrauen. Dabei kommt es stets auf den Einzelfall an. Für mich ist die Arbeit im Lager etwas völlig anderes als die Arbeit als LKW-Fahrer. Die Tätigkeiten sind für mich nicht vergleichbar und deshalb scheidet eine Beschäftigung aus.

Ganz wichtig: Ihren bisherigen Lohn haben Sie in der gleichen Höhe weiter zu bekommen. Selbst wenn Ihr Arbeitgeber Sie mit anderen Aufgaben betraut, muss Ihr Entgelt unangetastet bleiben!

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Abmahnungen sind mitbestimmungsfrei – der Betriebsrat ist nicht anzuhören

Ein Betriebsrats-Ersatzmitglied wollte seinem Vorsitzenden nicht glauben und rief mich an. Er war der Auffassung, dass der Betriebsrat vor dem Ausspruch von Kündigungen anzuhören ist. Also müsste das auch für Abmahnungen... Mehr lesen

23.10.2017
Arbeitgeber behält Überweisungsgebühren bei Gehaltszahlung ein

Darf ein Arbeitgeber die Kosten für die Überweisung vom Nettolohn abziehen? Ich sehe das immer häufiger in Abrechnungen. Da werden schnell einmal 2 € pro Überweisung vom Nettolohn einbehalten. Bei 100 Arbeitnehmern und 12... Mehr lesen

23.10.2017
Bewerberabsagen: Warum Auswahlrichtlinien jetzt noch wichtiger werden

Dem Europäischen Gerichtshof liegt ein Fall zur Entscheidung vor, der die deutsche Rechtsprechung umkrempeln wird. Der Europäische Gerichtshof soll entscheiden, ob Arbeitgeber auch weiterhin einem abgelehnten Bewerber nicht... Mehr lesen