verständlich, unabhängig, rechtssicher

Arbeitnehmerrechte und betriebliche Interessen rechtssicher vertreten und durchsetzen.


Auflösungsvertrag und Arbeitslosengeld

Frage: Mein Chef möchte, dass ich einen Auflösungsvertrag unterschreibe. Darin steht, dass ich 1 Monatslohn pro Beschäftigungsjahr bekomme. Da ich nur 2 Jahre beschäftigt war, will er mir also 4.000,00 € zahlen. Habe ich damit Probleme bei der Arbeitsagentur?  
Antwort: Ja, die bekommen Sie. Ihr Arbeitgeber muss einen Fragebogen ausfüllen und ihn zur Agentur für Arbeit senden. Damit wird geprüft, ob eine Sperrzeit eintritt. Eine Sperrzeit von bis zu 12 Wochen und einer insgesamt um 25 % gekürzten Leistungsdauer tritt ein, wenn ohne Vorliegen eines wichtigen Grunde das Beschäftigungsverhältnis vom Arbeitnehmer selbst gekündigt oder ein Aufhebungsvertrag geschlossen wird. Es ist also nicht so, dass Sie nach 12 Wochen Ihr volles Arbeitslosengeld bekommen. Dieses wird noch einmal in der Dauer um 25 % gekürzt.

Nun gibt es aber eine neue Dienstanweisung zur Sperrfrist anlässlich des Urteils des Bundessozialgerichts (BSG) vom 12.7.2006, Az.: B 11a AL 47/05 R:

Ein wichtiger Grund für den Abschluss eines Aufhebungsvertrages liegt jetzt auch vor, wenn
– eine Abfindung von 0,25 bis zu 0,5 Monatsentgelten pro Beschäftigungsjahr gezahlt wird und
– der Arbeitgeber betriebsbedingt unter Einhaltung der Kündigungsfrist zum selben Zeitpunkt gekündigt hätte und
– die Kündigungsfrist eingehalten worden wäre und der Arbeitnehmer nicht unkündbar war.
Da Sie allerdings ein volles Monatsentgelt als Abfindung bekommen, wird die Arbeitsagentur Ihren Fall prüfen, ob eine Sperrzeit verhängt wird oder nicht. Dafür spricht in Ihrem Fall vieles.

Hinweis: Wenn Sie zudem die Kündigungsfrist nicht eingehalten haben, müssen Sie neben der Sperrfrist auch noch mit einer Anrechnung der Abfindung auf das Arbeitslosengeld rechnen.

09.10.2009
Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Frage: Mir ist etwas Dummes passiert. Ich habe per Email meinem Arbeitgeber vergangenen Donnerstag informiert, das ihm in Kürze eine schriftliche Kündigung von mir zugehen wird. Am Freitag habe ich dann erfahren, dass ich...

| 7. Februar 2010

Der Fall: Ein Arbeitnehmer war seit 2004 bei einem Transportunternehmen beschäftigt. Sein schriftlicher Arbeitsvertrag sah vor, dass beide Vertragsparteien das Arbeitsverhältnis mit einer Frist von 4 Wochen zum Monatsende...

| 10. November 2010

In nahezu jeder Woche werden neue Urteile zu Klauseln in Arbeitsverträgen gefällt. Viele Klauseln wurden durch die Gerichte für unwirksam erklärt. Ist eine Klausel nicht wirksam, gilt die gesetzliche Regelung. In diesem Blog...

| 28. Juli 2010
© 2017, VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft