verständlich, unabhängig, rechtssicher

Arbeitnehmerrechte und betriebliche Interessen rechtssicher vertreten und durchsetzen.


Nacktfotos – Fetisch – Arbeitsvertrag – Kündigung

Frage: „Ich arbeite bei einer Bank. Was kann mir passieren, wenn meine Arbeitgeberin herausfindet, dass ich mich für Fetischhefte habe nackt fotografieren lassen.
 

Die Fotos werden auch im Internet veröffentlicht. Das ist mir sehr unangenehm und peinlich, ich kann die Veröffentlichungen jedoch nicht verhindern. Sie werden vom Ausland aus, vermutlich aus Brasilien, vorgenommen. Was kann mir arbeitsrechtlich geschehen?“

Antwort: Ja, mit dem Internet sollte man immer aufpassen. Wenn ich Sie richtig verstehe, haben Sie diese Fotos zunächst für eine Zeitschrift erstellen lassen. Sie sind dann offensichtlich ohne Ihr Wissen und Wollen im Internet veröffentlich worden. Versuchen Sie jedoch einmal gegen den Herausgeber der Zeitschrift vorzugehen. Falls die Fotos natürlich nur einfach aus der Zeitschrift eingescannt und dann veröffentlicht wurden, macht das auch keinen Sinn.

Arbeitsrechtlich könnten Sie tatsächlich Einiges zu befürchten haben. Gerade bei einer Bank, bei der es um Seriosität geht, könnten Nacktbilder zu einer fristlosen Kündigung des Arbeitsverhältnisses führen. Das ist aber nur dann möglich, wenn der Arbeitgeber einen wichtigen Grund für die Kündigung hat

  • die Art und Schwere der Verfehlung,
  • den Umfang des verursachten Schadens, 
  • die Wiederholungsgefahr,
  • die Beharrlichkeit Ihres pflichtwilligen Verhaltens, 
  • Ihre herausgehobene Stellung im Betrieb,
  • und der Grad Ihres Verschuldens,
  • die wirtschaftliche Lage des Unternehmens,
  • die Dauer Ihrer Betriebszugehörigkeit, 
  • Ihr Lebensalter, 
  • die Folgen der Auflösung des Arbeitsverhältnisses
  • und insbesondere Ihren sozialen Besitzstand

zu beachten.

Das wird mit großer Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass eine Kündigung unverhältnismäßig ist. Letztendlich sind auch die Bilder Ausdruck Ihres Persönlichkeitsrechts. In Zukunft sollten Sie jedoch von solchen Bildern Abstand nehmen.

Wichtig: Die Wiederholungsgefahr spielt dabei eine große Rolle!

27.12.2009
Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Haben Sie eine Kündigung erhalten? Das sollten Sie über Abfindungen wissen: Grundsätzlich haben Sie zunächst einmal keinen Anspruch auf eine Abfindung. Etwas anderes gilt nur, wenn der Arbeitgeber Ihnen eine Abfindung zugesagt...

| 21. Juni 2009

„Wir haben vor 2 Wochen unser Baby bekommen – ich wurde Mutter. Jetzt rief mein Chef an und sagte mir, in der Firma würde es nicht mehr richtig laufen. Er wolle mir deshalb kündigen. Darf er das so einfach?" 

| 2. Mai 2009

Ein Arbeitnehmer ist zur Vertretung einer Arbeitnehmerin eingestellt worden. Im Vertrag findet sich als sachlicher Grund, dass er für die Dauer der Mutterschutzfristen und der Erziehungszeiten befristet eingestellt wird.  

| 23. April 2011
© 2017, VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft