12.03.2019

Betriebsklima: So sorgen Sie für noch bessere Stimmung im Betrieb

Viele Arbeitnehmer sind am Freitag froh, wieder eine anstrengende Arbeitswoche hinter sich gebracht zu haben. Sicherlich ist es schwer, jeden Tag mit Freude zur Arbeit zu gehen und nur gute Stimmung unter den Kollegen zu verbreiten. Schließlich gibt es fast in jedem Betrieb Spannungen unter den Kollegen sowie zwischen Kollegen und Vorgesetzten. Wenn aber eine schlechte Grundstimmung ein Dauerzustand wird, kann es gefährlich werden. Ein schlechtes Betriebsklima wird häufig auf den Arbeitgeber zurückgeführt. Schließlich obliegt ihm die Hauptverantwortung, vor allem auch die Führungsverantwortung. Als Betriebsrat sollten Sie jedoch nicht tatenlos zusehen, wenn Ihr Arbeitgeber zu einem schlechten Betriebsklima beiträgt. Setzen Sie sich vielmehr dafür ein, dass die Stimmung in Ihrem Betrieb besser wird. 

Ich empfehle Ihnen als Betriebsrat, den Anfang des Jahres zu nutzen, um die Stimmung in Ihrem Betrieb einmal kritisch zu beäugen. Denn Sie können und sollten sich dafür einsetzen, dass die Mehrheit Ihrer Kollegen regelmäßig Spaß bei der Arbeit hat. Das ist wichtig, denn wer Spaß bei der Arbeit hat, ist leistungsfähiger und kreativer. 

Das umzusetzen ist manchmal leichter gesagt als getan. Ansetzen sollten Sie beim Betriebsklima. Denn ein Betriebsklima, in dem man sich wohlfühlt, hilft dabei. 

Was ein gutes Betriebsklima ausmacht 

Das Betriebsklima ist nach „Gablers Wirtschaftslexikon“ die subjektiv erlebte längerfristige Qualität der Zusammenarbeit von Beschäftigten in einem Betrieb. Es kommt demnach maßgeblich auf das Miteinander im Betrieb an. Wichtige Faktoren dabei sind: das Verhalten der Geschäftsführung und deren Umgang mit den Mitarbeitern, die Einhaltung und Umsetzung der Werte des Unternehmens durch die Geschäftsführung, wie z. B. ein respektvoller Umgang untereinander. 

Was die Stimmung beeinträchtigt 

Ein Verhalten, das durch Intransparenz geprägt ist, beeinträchtigt die Stimmung häufig negativ. Ihr Arbeitgeber sollte deshalb etwaige Änderungen umgehend ankündigen und bei Fragen der Belegschaft zur Verfügung stehen. 

Wichtig ist auch, dass er Ihnen und Ihren Kollegen vertraut. Auf übermäßige Kontrollen sollte er unbedingt verzichten. Ein weiterer Faktor, der das Betriebsklima negativ beeinträchtigen kann, ist mangelnder Respekt. Ihr Arbeitgeber sollte Sie und Ihre Kollegen mit Freundlichkeit und Respekt behandeln. Umgekehrt gilt das natürlich genauso. 

So können Sie sich einsetzen 

Als Betriebsrat können Sie nicht alle Faktoren beeinflussen. Sie sollten sich aber dafür einsetzen, die Bereiche, die Sie beeinflussen können, zu optimieren: 

  • Leben Sie die Unternehmenswerte. 
  • Fördern Sie Teamarbeit.
  • Sorgen Sie dafür, dass gute Leistungen anerkannt werden.
  • Setzen Sie sich für eine offene Kommunikation ein. 

Signalisieren Sie Ihrem Arbeitgeber zudem, dass Sie sich mit ihm gemeinsam für ein gutes Betriebsklima einsetzen wollen. 

Gehen Sie mit gutem Beispiel voran 

Ein guter Teamgeist setzt voraus, dass Sie als Betriebsrat mit gutem Beispiel vorangehen. Es ist Ihre Aufgabe, Ihre Kolleginnen und Kollegen spüren zu lassen, dass Ihnen jeder von ihnen wichtig ist. Außerdem sollten Sie Ihren Kollegen gegenüber klarstellen, dass Sie gute Teamarbeit für sehr wichtig halten. 

Wann immer Sie im Gremium größere Aufgaben zu bewältigen haben, sollten Sie anregen, dass diese von mehreren Personen zusammen erarbeitet werden. Abhängig davon, ob es inhaltlich sinnvoll ist, sollten Sie vorschlagen, dass sich die jeweiligen Teams auch immer wieder neu zusammensetzen. Schließlich führt das letztlich dazu, dass immer mal wieder unterschiedliche Kollegen gefordert sind, zusammenzuarbeiten. 

Lob und Anerkennung sind wichtig 

Haben die Kollegen ihre Aufgabe abgeschlossen, sollten sie diese dem Gremium präsentieren. Würdigen Sie das Ergebnis des gesamten Teams mit lobenden Worten, wenn die Kollegen gute Arbeit geleistet haben. 

Lob und Anerkennung für eine gute Leistung sollten eigentlich selbstverständlich sein. Loben Sie deshalb jede positive Leistung. Und zwar möglichst in Anwesenheit des gesamten Teams. 

Tipp: Lob muss glaubwürdig überbracht werden. Lob und Anerkennung sollten stets glaubwürdig sein. Es ist deshalb wichtig, dass Sie sich vorher genau überlegen, was Ihnen an der jeweiligen Arbeit besonders gut gefallen hat. 

Guter Umgangston ist wichtig 

Voraussetzung für einen guten Teamgeist ist zudem ein guter Umgangston. Wir empfehlen Ihnen dringend, etwaigen Frust niemals an Ihren Kollegen auszulassen. Akzeptieren Sie stets, wenn Kollegen oder Vorgesetzte eine andere Meinung haben als Sie. Persönliche Angriffe gerade im Hinblick auf Meinungsverschiedenheiten sind tabu. 

Tipp: Sorgen Sie für korrekte Umgangsformen. Wir empfehlen Ihnen deshalb, darauf zu achten, dass der Ton bei Ihren Gremiumssitzungen stets angemessen ist. Überlegen Sie einmal, wie in Ihren Sitzungen mit Ideen und Vorschlägen umgegangen wird, vor allem, wenn es unterschiedlichen Meinungen gibt. 

Gerade wenn eine bestimmte Angelegenheit in einer Sitzung entschieden werden muss, kann es passieren, dass Kollegen vorschnell über die Meinung eines anderen Kollegen urteilen bzw. diese verurteilen oder schlicht unachtsam in ihrer Wortwahl sind. Stoppen Sie solche Situation möglichst umgehend. Weisen Sie das gesamte Team darauf hin, dass jeder das Recht hat, seine Meinung zu äußern, ohne dafür negative bzw. abfällige Kommentare von Kollegen zu erhalten. Stellen Sie klar, dass Sie als Gremium für ein faires Gesprächsklima stehen. 

Lässt sich ein Konflikt nicht vermeiden, stehen Sie Ihren Kollegen mit Rat und Unterstützung zur Seite, ohne eine Lösung für den Konflikt anzubieten. So übernehmen Sie eine Moderationsfunktion. 

Tipp: Teamgeist fördern. Fördern Sie den Teamgeist, indem Sie als Gremium sich ab und zu informell treffen, beispielsweise zu einer erweiterten Betriebsratssitzung mit Frühstück. 

Mit dieser Methode motivieren 

Als Betriebsrat sollten Sie sich zudem für ein motivierendes Betriebsklima einsetzen. 

Ein motivierendes Arbeitsklima schaffen Sie, wenn Sie für einen guten Umgang mit den folgenden Punkten sorgen: 

1. Anerkennung 

Ihr Arbeitgeber sollte Ihnen und Ihren Kollegen das Gefühl geben, dass er die jeweiligen Leistungen anerkennt. Dazu gibt er Ihnen am besten in regelmäßigen Abständen ein Feedback. Dabei sind die positiven Leistungen in den Vordergrund zu rücken. Eventuellen Verbesserungsbedarf sollte er positiv formulieren, sodass die Kollegen nicht demotiviert werden. 

2. Interessante und abwechslungsreiche Aufgabenstellungen 

Setzen Sie sich dafür ein, dass Ihr Arbeitgeber Ihnen und Ihre Kollegen – im Rahmen des Möglichen – interessante Aufgaben verschafft. 

3. Streben nach Perfektionismus vermeiden 

Eine Aufgabe qualitativ hochwertig zu erledigen heißt nicht, dass sie perfekt sein muss. Übertriebene Bestrebungen nach Perfektionismus Ihres Arbeitgebers können einem motivierenden Arbeitsklima entgegenstehen. Setzen Sie sich deshalb dafür ein, dass er für qualitativ hochwertige Leistungen steht, ohne dabei ständig eine perfekte Ausführung zu erwarten. 

Mit diesen Tipps managen Sie den Alltag besser

Selbst wenn in Ihrem Betrieb alle Beteiligten eine positive Grundeinstellung haben und vermitteln, werden die meisten Arbeitnehmer irgendwann einen Punkt erreichen, wo sie nicht so motiviert sind wie normalerweise. Häufig hilft dann eine gewisse Disziplin, sich den Aufgaben, auch den ungeliebten, systematisch zu widmen. Zudem sollte der 

Betroffene bewusst das Positive seiner Tätigkeiten sehen und sich dieses im Zweifel auch noch einmal ins Gedächtnis rufen. 

Offene Kommunikation ist ein Muss 

Ein gutes Betriebsklima geht meist einher mit einer offenen Kommunikationskultur. Schließlich schaffen etwaige Geheimniskrämereien Misstrauen. Ihr Arbeitgeber sollte alle wichtigen Informationen rechtzeitig an Sie und Ihre Kollegen weitergeben. 

Überzeugen Sie ihn im Zweifelsfall mit dem Argument, dass die Betroffenen so die Gelegenheit bekommen mitzuentscheiden. Fehlt dieses „Plus an Verantwortung“, führt das schnell zu Frust. 

Ob Ihr Arbeitgeber in Sachen Kommunikation Verbesserungsbedarf hat, können Sie anhand der folgenden Checkliste prüfen: 

Checkliste: Setzen Sie sich gezielt für ein besseres Betriebsklima ein? 

  • Ihr Arbeitgeber unterrichtet Sie und Ihre Kollegen rechtzeitig über wichtige Angelegenheiten. 
  • Ihr Arbeitgeber bezieht Beschäftigte, die eine Änderung betrifft, frühzeitig in den Entscheidungsprozess ein. 
  • Ihr Arbeitgeber führt regelmäßig (einmal jährlich) Zielvereinbarungsgespräche mit allen Arbeitnehmern. 
  • Ihr Arbeitgeber gibt Ihnen und Ihren Kollegen regelmäßig ein Feedback im Hinblick auf die Leistungen. 
  • Die Arbeitnehmer haben außerhalb der üblicherweise vorgesehenen Pausen ausreichend Gelegenheit, sich auszutauschen. 
  • Etwaige sachliche Kritik, die Sie oder Kollegen gegenüber Ihrem Arbeitgeber äußern, betrachtet er als Herausforderung und prüft sie auf eventuellen Handlungsbedarf hin. 

Haben Sie bei manchen Punkten das Nein angekreuzt, prüfen Sie, ob Ihr Arbeitgeber etwas an seinem Verhalten ändern kann. Besprechen Sie das im Zweifelfall mit ihm. 

So prüfen Sie das Betriebsklima 

Nach diesen grundsätzlichen Anmerkungen dazu, wie Sie sich für ein gutes, motivieren- des Betriebsklima in Ihrem Unternehmen einsetzen können, werden Sie sich unter Umständen fragen, wie Sie feststellen, ob bei Ihnen Handlungsbedarf besteht. Setzen Sie sich mit den Unternehmensdaten auseinander: 

Werfen Sie einen Blick auf die Krankentage und bewerten Sie die Fluktuationsrate. Denn je höher der Krankenstand und die Fluktuationsrate sind, desto eher müssen Sie von einem schlechten oder zumindest verbesserungswürdigen Betriebsklima ausgehen. 

Tipp: Fluktuation überprüfen.Prüfen Sie im Hinblick auf die Fluktuationsrate, wie viele Beschäftigte den Betrieb aufgrund einer Eigenkündigung verlassen haben. Je höher dieser Prozentsatz ist, desto mehr spricht für ein schlechtes Betriebsklima. 

Anonymisierte Mitarbeiterbefragung anstreben

Gerade das Betriebsklima lässt sich gut in einer entsprechenden anonymen Mitarbeiterbefragung überprüfen. Ihren Kolleginnen und Kollegen bietet eine solche Befragung die Möglichkeit, Dampf abzulassen. Sie können bei dieser Gelegenheit anonym ihre Meinung äußern und auf bestehende Ärgernisse aufmerksam machen. 

Achtung! In Mitarbeiterbefragung auch Verbesserungsvorschläge abfragen.Ihr Arbeitgeber sollte Ihren Kolleginnen und Kollegen im Zusammenhang mit einer solchen Befragung auf jeden Fall die Möglichkeit bieten, Verbesserungsvorschläge einzubringen. 

So bestimmen Sie mit 

Führt Ihr Arbeitgeber eine Befragung durch, dann muss er Sie als Betriebsrat nach § 80 Abs. 2 Betriebsverfassungsgesetz rechtzeitig und umfassend informieren. Rechtzeitig ist seine Information in aller Regel dann, wenn Ihre Änderungs- und Ergänzungswünsche tatsächlich berücksichtigt werden können. 

Umfassend ist die Unterrichtung, wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen alle erforderlichen Unterlagen vorlegt, damit Sie sich ohne weitere Nachfragen ein Bild von der Sache machen können. Ist das nicht möglich, fordern Sie die fehlenden Infos nach. 

Tipp: Machen Sie mit. Als Betriebsrat sollten Sie stets versuchen, sich an der Durchführung der Mitarbeiterbefragungen Ihres Arbeitgebers zu beteiligen. Überzeugen Sie ihn, dass er Sie in das Projektteam aufnimmt, das die Befragung organisiert. Als Argument können Sie anbringen, dass Ihre Mitarbeit die Akzeptanz der Befragung in der Belegschaft erhöhen wird. 

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