16.09.2017

Pro und Kontra einer Frauenversammlung

Die Durchführung von Frauenversammlungen bietet Ihnen viele Vorteile, hat dagegen aber nur wenige Nachteile. Das Pro und Kontra habe ich Ihnen hier zusammengestellt. Wägen Sie ab, was für Sie überwiegt!

Argument Nr. 1: Sie können Ihr Amt und sich selbst bekannt machen

Zunächst können Sie die Frauenversammlung nutzen, um sich als Gleichstellungsbeauftragte bei Ihren Wählerinnen oder Frauen in der Dienststelle (in den Ländern, wo Gleichstellungsbeauftragte bestellt werden) besser bekannt sowie sie mit Ihrer Arbeit und Ihrer Person vertraut zu machen.

Häufig wissen die beschäftigten Frauen in den Dienststellen gar nicht, wer die Gleichstellungsbeauftragte ist, welche Aufgaben sie hat und wie sie sich für die Frauen einsetzt. Nutzen Sie daher die Frauenver­sammlung, um sich zu präsentieren und Ihren Auftrag und Ihre Ein­flussmöglichkeiten deutlich zu machen.

Argument Nr. 2: Sie können Vertrauen schaffen

Nutzen Sie die Gelegenheit, die Vertrauensbasis zu Ihren Wählerinnen zu stärken. Nach meiner Erfahrung begegnen gerade Geschlechtsge­nossinnen häufig dem Amt der Gleichstellungsbeauftragten misstrau­isch. Überzeugen Sie die Zweiflerinnen davon, dass auch sie die Un­terstützung der Gleichstellungsbeauftragten brauchen können.

Meine Empfehlung

Sie sind auch im Jahr 2017 noch wichtig!

Nutzen Sie die Gelegenheit und machen Sie in einer Frauen­versammlung deutlich, dass Ihr Amt als Gleichstellungsbe­auftragte selbst im Jahr 2017 noch wichtig ist. Hier sollten Sie jungen Frauen Ihre Erfahrungen z. B. mit dem Karriereknick verdeutlichen.

Argument Nr. 3: Sie können sich informieren

Sie haben auf der Frauenversammlung die Möglichkeit, sich vor Ort und direkt zu den gleichstellungsrelevanten Problemen in Ihrer Dienst­stelle zu informieren. Sie können hierzu z. B. Workshops veranstalten, in denen die Frauen aktiv daran mitarbeiten, Gleichstellungsdefizite zusammenzustellen.

Argument Nr. 4: Sie können Netzwerke knüpfen

Eine Frauenversammlung hat auch den Sinn und Zweck, dass sich die Frauen in der Dienststelle untereinander zu ihrer Arbeitssituation und den Bedingungen der Arbeit in der Dienststelle austauschen können. Dies ist insbesondere auch für Frauen mit Familienpflichten wichtig. Bieten Sie diesen Frauen ein Forum für ihren Austausch.

Durch Frauenversammlungen haben Ihre Kolleginnen in der Dienst­stelle die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und Netzwerke zu knüpfen. Geben Sie Gelegenheit dazu und machen Sie „Netzwerken“ auch zum Thema einer Frauenversammlung.

Weiterer Vorteil: Auch Sie können Ihr eigenes Netzwerk ausweiten.

Auf der Frauenversammlung kommen Sie leicht mit Ihren Wählerinnen ins Gespräch. Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihr Unterstützungsnetzwerk weiterzuknüpfen.

Argument Nr. 5: Sie geben wichtige Informationen auch zu aktuellen Themen weiter

Die Frauenversammlung ist gleichermaßen ein guter Ort, wichtige In­formationen über Neuerungen in Ihrer Dienststelle oder zu aktuellen Themen, aber auch zur geschlechterspezifischen Beschäftigungssitu­ation weiterzugeben. Eine Frauenversammlung kann also auch zur reinen Informationsvermittlung genutzt werden. Wichtig ist immer: Die Frauen müssen etwas von der Veranstaltung haben.

Die folgende Kontra-Argumente könnten Sie aus meiner Erfahrung daran hindern, eine Frauenversammlung abzuhalten:

Hindernis Nr. 1: Kosten bei knappen Haushaltsmitteln

Das Kostenargument des Dienstherrn hält häufig Gleichstellungsbe­auftragte davon ab, eine Frauenversammlung durchzuführen. Lassen Sie sich davon nicht beeindrucken; schließlich ist es gesetzlich vorge­sehen, dass Dienststellen hierfür Geld ausgeben sollen.

Rechtlich gesehen muss der Arbeitgeber die Kosten tragen (siehe hierzu Seite 1, Kosten der Frauenversammlung). Setzen Sie den Nut­zen dagegen, den auch die Dienststelle von der Frauenversammlung hat, z. B. dass das Betriebsklima hierdurch verbessert werden kann.

Hindernis Nr. 2: Männliche Beschäftigte könnten negativ reagieren

Männer fühlen sich durch die Frauenversammlung, an der sie nicht teilnehmen dürfen, häufig diskriminiert. Es ist verständlich, dass diese Negativreaktionen abschreckend wirken können, sind Sie doch oft auf Ihre Kollegen und die bestehenden Kooperationsbeziehungen ange­wiesen. Sie sollten hier aufzeigen, warum die Frauenversammlung ein wichtiges Instrument der Frauengleichstellung ist.

Hindernis Nr. 3: Haben Sie keine Sorge vor zu geringer Beteiligung

Vielleicht befürchten Sie, dass eine Frauenversammlung nicht besucht wird. Klar ist, dass Ihre Kolleginnen in gewisser Weise zur Teilnahme motiviert werden müssen. Hierzu finden Sie aber auf den nächsten Seiten Anregungen, sodass Sie dieses Risiko möglichst gering halten können.

Selbst wenn die Beteiligungsquote niedrig ist, geben Sie nicht auf! Eine Frauenversammlung muss sich schließlich erst einmal etablieren. Einen Versuch ist es wert!

Fazit

Chancen nutzen

Frauenversammlungen bieten viele Möglichkeiten, Ihr Stan­ding in der Dienststelle zu verbessern. Nutzen Sie daher die Chancen, die hierin stecken. Die Vorteile überwiegen aus meiner Sicht bei Weitem und rechtfertigen den hohen Zeitaufwand. Und: Sie werden in Ihrer Dienststelle sichtbar!

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Arbeitsunfähigkeit nach 2 Wochen – Anspruch auf Geld?

Immer wieder kommt es vor, dass Arbeitnehmer einen neuen Job aufnehmen und dann schnell krank werden. Grundsätzlich haben Sie nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung für 6 Wochen, wenn die... Mehr lesen

23.10.2017
Mutterschutzfristen – so wird richtig gerechnet

Mütter dürfen bis zum Ablauf von 8 Wochen nach der Entbindung nicht beschäftigt werden. Bei Früh- und Mehrlingsgeburten gilt eine Frist von 12 Wochen nach der Entbindung.   Mehr lesen

23.10.2017
Jugendliche

Jugendlich sind Arbeitnehmer, die schon 15, aber noch nicht 18 Jahre alt sind. Jugendliche dürfen im Betrieb nur sehr eingeschränkt eingesetzt werden, da sie unter dem Schutz des JArbSchG stehen. Das heißt, sie dürfen... Mehr lesen