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Personalratsrede leichtgemacht

29.05.2017

Als Mitglied des Personalrats werden Sie sehr oft in der Gruppe sprechen müssen – sei es in der Personalratssitzung, in den Sprechstunden, in Ausschusssitzungen oder in Arbeitsgruppen. Viele haben „Angst“ vor den Reden. Aber mit ein paar Tricks können Sie dies in den Griff bekommen und Ihre Redegewandtheit schulen.

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10 Tricks für Ihren Erfolg
1. Ein großes Selbstvertrauen ist ein guter Grundstein für eine gelungene Rede. Polieren Sie Ihr Selbstvertrauen auf. Beobachten Sie doch mal andere: beim Sprechen die Zuhörer nicht angesehen, den Faden verloren und zu viele „Hmms“ und „Ähs“ eingestreut. Sie werden schnell sehen, dass keiner fehlerfrei ist und Sie sich nicht scheuen müssen.

2. Fangen Sie klein an – mit Kurzreden von etwa 2 bis 3 Minuten. Am besten ist, Sie starten im kleinen Rahmen, etwa in Ausschusssitzungen.

3. Äußern Sie sich aber nur, wenn Sie sich zu dem Thema wirklich eine Meinung gebildet haben. Reden Sie nicht um des Redens willen, das wird nach hinten losgehen.

4. Lassen Sie Fragen Ihrer Kollegen zu. Verlieren Sie dabei aber nicht den roten Faden. Notieren Sie sich auf einem Blatt Papier Ihr letztes Stichwort, dann finden Sie den Anschluss schnell wieder. Und falls Sie den Faden mal nicht mehr finden: Bleiben Sie locker. Sagen Sie beispielsweise: „Liebe Kollegen, ich habe den Faden verloren. Wo war ich …“. Das Ganze mit einem Lächeln auf den Lippen und es wird Ihnen wieder einfallen oder ein Kollege wird Ihnen einen Hinweis geben.

5. Legen Sie Wert auf eine echte Rückkopplung. Halten Sie Blickkontakt, achten Sie auf Gestik (Kopfnicken), Äußerungen (Beifall) oder Zurufe, Lachen. So sehen Sie, wie Sie ankommen.

6. In der Kürze liegt die Würze. Reden Sie nicht um den heißen Brei herum. Das merken die Zuhörer und je länger Sie reden, desto eher lässt ihre Aufnahmebereitschaft nach.

7. Falls es Ihnen in der Rede gelingt, Neugierde bei den Zuhörern zu wecken, können Sie mit einer größeren und zugleich längeren Aufmerksamkeit rechnen. Stellen Sie Fragen oder bitten Sie um Kommentare. Dadurch wird die Wirkung des Monologs unterbrochen und mehr Aufmerksamkeit geschaffen.

8. Setzen Sie auch auf optische Effekte: Zeichnungen am Flipchart, ein Handout, eine PowerPoint-Präsentation o. Ä.

9. Machen Sie sich klar, dass Sie niemals alle Kollegen in Ihren Bann ziehen können. Ein Teil wird immer anderer Meinung sein. Lassen Sie sich hierdurch nicht aus dem Konzept bringen. Bei Ihnen als Zuhörer ist es ja auch nicht anders. Der eine Redner gefällt Ihnen, der andere nicht.

10.Denken Sie daran, Arme und Hände sparsam zu bewegen. Und wenn, dann nur im Bereich des Oberkörpers. Je lockerer Sie Hände und Arme in diesem Bereich bewegen, desto nachhaltiger wirken Ihre Worte.

So bauen Sie Ihre Rede auf
Ihre Rede besteht immer aus 4 Teilen: Anrede, Einleitung, Hauptteil und Schluss. An diese Gliederung sollten Sie sich halten.
Beachten Sie hierbei Folgendes: Der wichtigste Teil ist der Schluss! Erst an 2. Stelle steht die Einleitung. Der Schluss bleibt Ihren Zuhörern am längsten in Erinnerung. Berücksichtigen Sie dies.

So legen Sie los

1. Die Anrede
Kurze Anreden genügen, etwa
„Meine sehr geehrten Damen und Herren“,
„Meine Damen und Herren“,
„Liebe Kolleginnen und Kollegen“,
„Verehrte Gäste, liebe Kolleginnen und Kollegen“.
Mehr braucht es nicht. Eine besonders überschwängliche Begrüßung wirkt sogar befremdlich. So nach dem Motto „Was hat der denn jetzt?“.

Tipp
Wenn nur eine Frau oder ein Mann in der Gruppe der Zuhörer anwesend ist, können Sie sie oder ihn im Rahmen der Anrede auch namentlich erwähnen. Dann aber nicht mehr, sonst fühlt sich der oder die Betreffende vorgeführt.

Damit Sie mit Ihrer Rede gut starten, anbei ein paar Muster-Formulierungen für Ihre Begrüßungen:
„Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich begrüße Sie herzlich zur heutigen Personalversammlung. Ebenso herzlich begrüße ich auch unsere Dienststellenleitung, vertreten durch Herrn/ Frau … Für die Gewerkschaft heiße ich Herrn/Frau … herzlich willkommen.“

Wenn es etwas Besonderes gibt:
„Vorab: Es ist das erste Mal, dass wir es geschafft haben, die Personalversammlung im eigenen Hause durchzuführen, und keinen Saal anmieten mussten. Ich möchte mich sehr bei … bedanken, die den Saal für unsere Zwecke hergerichtet haben.“

Wenn viele Kolleginnen und Kollegen erscheinen:
„Liebe Kolleginnen und Kollegen, lassen Sie mich meine Freude darüber ausdrücken, dass Sie so zahlreich zu dieser Versammlung erschienen sind. Das zeigt uns, dass Sie Interesse an der Personalratsarbeit haben und an der Entwicklung unserer Dienststelle interessiert sind. Vielen Dank hierfür.“

Und so leiten Sie dann zum eigentlichen Thema über:
„Ich möchte nun zu den in der Einladung aufgeführten Themen kommen. Sie können diese der Tagesordnung entnehmen.“

2. Die Einleitung
Die Einleitung ist neben dem Schluss das wichtigste Element. Hier entscheidet sich, wen Sie packen und wen nicht.

Vermeiden Sie auf jeden Fall Entschuldigungen, lange Einleitungen oder Rechtfertigungen.

3. Der Hauptteil
Wie Sie den Hauptteil gestalten, hängt maßgeblich von den Inhalten ab, die Sie rüberbringen wollen. Beabsichtigen Sie, nur zu informieren, dann gestalten Sie den Inhalt anders als bei einer Überzeugungsrede.

Merken Sie sich als Patentrezept diese Schritte:
• Situationsbeschreibung (Worum geht es, wie ist der momentane Stand in der Dienststelle?)
• Zielbeschreibung (Was wird gewünscht und warum?)
• Lösungsvorschlag (Mit welchen Mitteln kann das Ziel innerhalb welcher Zeit erreicht werden?)
• Zielsatz (Was erwarten Sie von den Zuhörern?)

Wenn Ihre Rede überzeugend werden soll, dann merken Sie sich Folgendes:
• Erläutern und veranschaulichen Sie die wesentlichen Sachverhalte oder Situationen.
• Erklären Sie, wie es zu diesem Sachstand gekommen ist. Gibt es Verantwortliche für die Situation oder Wegbereiter für eine Entwicklung? Dann benennen Sie diese.
• Achten Sie darauf, dass Sie Ihre Äußerungen belegen können. Soll vom Istzustand etwas verändert werden, dann zeigen Sie auf, mit welchen Mitteln dies geschehen soll. Geben Sie eine realistische Einschätzung.
• Vermeiden Sie auf alle Fälle Schachtelsätze. Kein Satz sollte mehr als 16 Wörter haben. Kurze Hauptsätze sind für den Zuhörer leichter verständlich. Sie bleiben dann einfach mehr am Ball.

Tipp
Wenn Sie Ihre Rede auf Karteikarten vorbereiten wollen, dann nummerieren Sie diese durch. Fallen Ihnen die Karten dann mal runter oder geraten sie durcheinander, sehen Sie schnell wieder, wo es weitergeht.

4. Der Schluss
Der wichtigste Teil einer Rede ist der Schluss. Ein schlechter Schluss kann eine gute Rede verderben, ein guter Schluss eine schlechte Rede aufwerten. Die Aussage des letzten Satzes muss den Zuhörern in guter Erinnerung bleiben. Aus diesem Grund sollten Sie am Schluss auch keine neuen Gedanken mehr einführen, das verwirrt. Ein Abschluss ist dann nicht mehr möglich.
Auch wenn Sie Ihre Rede von einem Manuskript ablesen, sollten Sie den Schlusssatz trotzdem einüben und frei sprechen.

Bei Überzeugungsreden können Sie auch gern einen Schlussappell an Ihre Zuhörer richten, mit dem Sie diese zum Handeln auffordern. Etwa so:
„Ich danke Ihnen allen sehr für Ihre Aufmerksamkeit. Ich denke, dass wir hier und heute verdeutlichen konnten, wo die aktuellen Probleme in unserer Dienststelle liegen und was es für jeden von uns zu tun gibt. Also, packen wir es an!“
Verzetteln Sie sich am Schluss nicht und lassen Sie es auch nicht zu, dass neue Diskussionen eröffnet werden. Ihre Rede ist abgeschlossen – jeder „Anhang“ wird dem Erfolg Ihrer Rede nur schaden!

Überzeugungsreden richtig gestalten
Überzeugungsreden sind mit die schwierigsten von allen Reden. Sie müssen die Zuhörer dazu bewegen, Sie bei einem Vorhaben oder bei einer bestimmten Vorgehensweise zu unterstützen. Achten Sie hier auf die folgenden Punkte:

• Erzeugen Sie ein „Wir-Gefühl“. Sprechen Sie nicht von uns, dem Personalrat, von euch, den Beschäftigten, und der Dienststellenleitung. Sprechen Sie von „uns, den Beschäftigten der Dienststelle“.
• Zeigen Sie auch Gefühl, etwa: „Mir liegt es ganz besonders auf der Seele, dass …“ oder „Ich würde mich sehr freuen, wenn …“. So erzeugen Sie eine Art Gruppenzwang, den Zuhörern fällt es schwer(er), Ihre Vorschläge abzulehnen.
• Wenn Sie eigene Ideen vortragen, dann seien Sie bestimmt und fangen Sie nicht an, sich zu rechtfertigen. Lächeln Sie dabei. Freundlichkeit gewinnt und überzeugt die Zuhörerschaft.
• Schauen Sie immer einen Ihrer Zuhörer an (wechseln Sie dabei ab). Dann sehen Sie, wie Ihre Rede ankommt.
• Wird durch Zuruf Widerspruch laut, versuchen Sie, diesen aufzugreifen und durch Ihre Argumentation abzuschwächen. Es ist nicht so schlimm, wenn Ihnen das nicht völlig gelingt; schlecht wäre nur, wenn Sie dies völlig übergehen. Beispiel:
„Darüber haben wir im Gremium auch schon nachgedacht, aber wir sind zu dem Schluss gekommen, dass …“

Tipp
Jeder ist nervös, wenn er vor einem größeren Publikum sprechen muss. Nehmen Sie bei Ihrer Rede einen Stift in die Hand – dann leiten Sie Ihre Nervosität quasi auf den Gegenstand über und werden ruhiger. Das klingt zwar etwas esoterisch, ich habe das in meiner Anfangszeit vor Gericht allerdings auch gemacht und kann sagen, es wirkt. Man fühlt sich gleich sicherer! Solche Tricks hat jeder und das ist ja auch absolut legitim, wir sind schließlich keine Politiker.

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