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Ist die Digitalisierung eine Chance für mehr Beschäftigung von Menschen mit Behinderung?

Aktuelle Erhebungen sind ernüchternd: Das neue Inklusionsbarometer der Aktion Mensch und des Handelsblatt Research Institute zeigen zwar einen leichten Rückgang der Arbeitslosenquote von 13,9% (2015) auf 13,4% (2016), dennoch sind vergleichsweise in Deutschland doppelt so viele Menschen mit Behinderung arbeitslos wie Menschen ohne körperliche oder geistige Einschränkungen.

Rund 178.000 Menschen mit Behinderungen sind arbeitslos, immerhin 3.000 weniger als im Jahr 2015. Jüngere Behinderte fanden Arbeit, ältere Arbeitnehmer über 55 mit einer Behinderung hingegen eher nicht. Das Inklusionsbarometer verdeutlicht, dass neue Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung insbesondere in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) entstanden sind. Prognosen gehen aber davon aus, dass in diesen Unternehmen noch viel mehr Beschäftigung für Behinderte angeboten werden könnte.

Mein Tipp

Die Studie „Inklusionsbarometer Arbeit“, erschienen im November 2016, ist auf der Website von Aktion Mensch kostenlos abrufbar: www.aktion-mensch.de.

Warum sind viele Menschen mit Behinderungen ohne Job?

Die Gründe für diese Beschäftigungssituation sind vielfältig: Verschiedene bürokratische Hürden machen es den KMU schwer, finanzielle Unterstützung bei der Einstellung von Menschen mit Behinderungen zu erhalten. Eine vereinfachte Antragstellung könnte zu einer spürbaren Senkung der Arbeitslosenquote führen, so argumentiert Armin von Buttlar, Vorstand von Aktion Mensch.

62 % der Unternehmen sind ohnehin nur informiert, welche staatlichen Fördermaßnahmen es bei der Einstellung von Menschen mit Behinderungen gibt. Ein Hemmschuh für mehr Beschäftigung sind falsche Annahmen, dass Menschen mit Behinderungen unkündbar seien und eine Vielzahl von Sonderregelungen existiere, die sich vermeintlich nachteilig auf ein kleines Unternehmen auswirken könnten.

Wenn die Zustimmung des Integrationsamts vorliegt, gelten für Arbeitnehmer mit Behinderungen die gleichen arbeitsrechtlichen Regelungen bei Kündigungen wie für Nichtbehinderte. Die Erhebung stellt erfreulicherweise fest, dass die Zahl der kleineren Betriebe – unter 20 Mitarbeitern – steigt, welche Behinderte beschäftigen.

Digitalisierung als Jobmotor?

Eine nachhaltig positive Veränderung auf dem Arbeitsmarkt könnte, so Experten, die zunehmende Digitalisierung befördern. Körperliche Einschränkungen könnten durch die Technisierung der Arbeitsplätze kompensiert werden. Eine assistierende Technologie wie Roboterarme bietet neue Chancen an Fertigungsplätzen z. B. in der Industrie.

Neue Perspektiven in Bereichen der Dienstleistungen bieten Telearbeitsplätze. So könnten Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen von ihrem häuslichen Arbeitsplatz aus bequemer arbeiten. Verschiedene Mobilitätsschwierigkeiten ließen sich laut Experten durch häusliche Telearbeit überwinden.

Allerdings werden vor allem Hochqualifizierte von der Telearbeit profitieren. Menschen mit Lernbehinderungen, die eine begleitende pädagogische Förderung brauchen, werden nach wie vor auf geschützte Einrichtungen wie Behindertenwerkstätten angewiesen sein.

Neue Geschäftsfelder für Behindertenwerkstätten

Durch die zunehmende Digitalisierung haben sich neue Geschäftsfelder für die Behindertenwerkstätten aufgetan, beispielsweise die Digitalisierung von Dokumenten in Papierform. So werden in den Werkstätten verstärkt Archivierungsarbeiten für Unternehmen übernommen, wie das Scannen von Akten und Belegen.

Unter dem Stichwort „smart home“ könnten sich weitere Tätigkeitsfelder ergeben, z. B. die Beobachtung des Energieverbrauchs in Wohn- und Geschäftshäusern.

Mein Tipp

Für Sie als SBV ist „Chancen und Risiken der Digitalisierung der Arbeitswelt für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung“, Forschungsbericht 467 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (Mai 2016), eine nützliche Lektüre.

11.10.2017
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