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Bilanz: Ausbildung schwerbehinderter Jugendlicher

Nach den Daten des Instituts der Deutschen Wirtschaft hat in den letzten 5 Jahren etwa 1/4 aller ausbildungsaktiven Unternehmen auch behinderte Jugendliche betrieblich ausgebildet. Dabei haben viele dieser ausbildenden Betriebe nicht jedes Jahr, sondern nur in einzelnen Jahren auch behinderte Menschen ausgebildet.

 

Wir stellen Ihnen diesen empirischen Befund dar, um Sie in Ihrem Engagement für behinderte Jugendliche zu bestärken, auch wenn es nicht jedes Jahr erfolgreich ist. Die betriebliche Ausbildung behinderter Jugendlicher gehört sicherlich zu den Königsdisziplinen betrieblicher Beschäftigung schwerbehinderter Menschen.

Für Jugendliche mit Haupt- oder Realschulabschluss ist die Berufswahl generell eine große Herausforderung. Umso mehr gilt das für behinderte Jugendliche: Den richtigen Beruf und den richtigen Ausbildungsbetrieb zu finden, das ist für sie nicht einfach. Umgekehrt stellen behinderte Jugendliche auch für die Betriebe eine ganz besondere Herausforderung dar. Je nach Art der Behinderung muss mit speziellen Unterstützungsbedarfen gerechnet werden. Um diese zu erfüllen, müssen Ausbildungsplatzanpassungen und Lernprozesse bei Vorgesetzten und Kollegen erfolgen.

Die unten stehende Tabelle zeigt, wie klein die unterschiedlichen Behinderungsgruppen sind. Dies bedeutet, dass es sich bei den jeweiligen Anpassungsprozessen um relativ seltene Ereignisse handelt. Insbesondere sinnesgeschädigte Jugendliche werden oft nur einzeln ausgebildet. Der nächste Bewerber mit gleicher Behinderung wird manchmal erst Jahre später gefunden.

Tipp: Stellen Sie sich darauf ein, dass bei Bewerbungen schwerbehinderter Auszubildender oft sehr schnell sehr spezielle Fragen für die berufliche Eingliederung zu klären sind. Meist können viele Fragen nur mit dem Jugendlichen und/oder mit spezialisierten Beratern der Agentur für Arbeit oder eines Integrationsfachdienstes geklärt werden. Die Probleme sind leider oft schwierig und zugleich wird das spezielle Wissen nur selten benötigt. Aber: Mit gutem Willen zur Inklusion und kompetenter externer Unterstützung sind die Probleme lösbar – auch die sehr seltenen.

Unternehmen nach Behinderungsart der Auszubildenden, in % der ausbildungsaktiven Unternehmen

  • Azubis nach Behinderungsart und Anteil der Unternehmen
  • Auszubildende mit einer Lernbehinderung: 15,9 %
  • Auszubildende mit einer körperlichen Behinderung(ohne Sinnesbehinderung): 7,9
  • Auszubildende mit einer psychischen Behinderung: 6,8 %
  • Auszubildende mit einer Sinnesbehinderung: 3,5 %
  • Auszubildende mit einer geistigen Behinderung: 1,3 %
  • keine behinderten Auszubildenden: 76,7 %

Institut der deutschen Wirtschaft (IW), IW-Trends November 2015, Menschen mit Behinderungen in der dualen Ausbildung (Quelle: IW-Personalpanel 2015)

Die Statistik zeigt, wie selten Nachfragen von bestimmten Gruppen behinderter Jugendlicher an die Betriebe herangetragen werden. Das geschieht bestimmt nicht jedes Jahr, dass ein gehörloser oder blinder Jugendlicher sich für eine Ausbildung bei Ihnen bewirbt. Auch Körperbehinderte und seelisch Behinderte sind relativ selten. Umso wichtiger ist, dass Sie bei jeder Bewerbung auf sorgfältige Prüfung der Ausbildungsmöglichkeiten bestehen. Dazu sollten auch regelmäßig die Experten der Bundesagentur für Arbeit herangezogen werden, auch um über deren Hilfsangebote zu beraten.

Materielle und beratende Unterstützung: Das sind die wichtigsten Hilfen für Betriebe

Zuschuss zur Ausbildungsvergütung (Agentur für Arbeit) Begleitung oder persönliche Unterstützung (Agentur für Arbeit) bei Neuschaffung eines Ausbildungsplatzes: Investitionszuschuss des Integrationsamts (§ 15 Schwerbehindertenausgleichsabgabe-Verordnung)
. Im Übrigen kann der Betrieb Ausgleichabgabe für 2 Plätze je Ausbildungsplatz sparen.

Tipp: Was können Sie dieses Jahr noch tun?

Stellen Sie sicher, dass Sie in jedem Fall über eingehende Bewerbungen schwerbehinderter Jugendlicher Kenntnis bekommen, bevor eine Ablehnung ergeht. Drängen Sie auf sorgfältige Prüfung, ob nicht doch eine Ausbildungsmöglichkeit in Ihrem Unternehmen gefunden werden kann. Ein zusätzlicher Ausbildungsplatz lässt sich z. B. bei Inanspruchnahme der vielfältigen – oben genannten – Fördermöglichkeiten in aller Regel kostenneutral einrichten. Stellen Sie die Beratung der Agentur für Arbeit sicher.

DeafIT: Gehörlose Fachkräfte in IT-Berufen

Gehörlose Menschen erschließen sich zunehmend IT-Berufe. Ein Netzwerk gehörloser und hörgeschädigter Fachkräfte unterstützt diese Entwicklung durch die jährliche Fachtagung DeafIT Conference. Für die 4. DeafIT Conference 2017 steht der Termin jetzt fest: am 10./11.11.2017 in Frankfurt am Main. Die Konferenz wird barrierefrei gestaltet und in Gebärden-, Schrift- und Lautsprache übersetzt (www.deafit.org/rueckblick/2016/conference).

Tipp: Unterstützen Sie die Teilnahme Ihrer hörgeschädigten Kollegen. Vielleicht akzeptiert Ihre Geschäftsleitung die Teilnahme als außerbetriebliche Weiterbildung und fördert sie durch Freistellung (am Freitag) oder Kostenübernahme.

06.06.2017
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