18.06.2019

Erfolgreiche neu gewählte SBV bei Airbus Hamburg

In diesem Beitrag stellen wir Ihnen eine neu gewählte Schwerbehindertenvertretung vor, die die Arbeitsstrukturen der Amtsvorgängerin erfolgreich weiterführt und weiterentwickelt. Thomas Heinemann wurde im November 2018 bei Airbus Operations GmbH in Hamburg-Finkenwerder als Vertrauensperson der Schwerbehinderten gewählt. Er war bereits vorher als Stellvertreter aktiv. 

In dem international tätigen Unternehmen firmiert die Schwerbehindertenvertretung als „Disability Services Office“. Aus meiner Sicht erscheint mir die Wahl von Thomas Heinemann ein gutes Beispiel für eine gelungene Amtsübernahme. Der Kollege vertritt über 800 Schwerbehinderte und Gleichgestellte. Am Standort Finkenwerder arbeiten ca. 15.000 Arbeitnehmer. Auf mein Befragen hin hat mir der Kollege seine aktuellen Arbeitsschwerpunkte als SBV erklärt. 

Neben den gesetzlichen Regelaufgaben klare zielgruppenspezifische Schwerpunkte

1. Anpassung der Arbeitsumgebung: In der Fertigung soll die Arbeitsumgebung insbesondere für Arbeitnehmer, die an der Wirbelsäule, Schulter oder am Arm erkrankt sind, angepasst werden. Dafür werden spezielle Vormontage-Arbeitsplätze eingeführt, auf denen nur gleichgestellte und schwerbehinderte Beschäftigte in der Fertigung arbeiten. Dies sind Kollegen, deren ursprüngliche Arbeitsplätze nicht weiter angepasst werden konnten, die aber dennoch mit ihrer Erkrankung weiterarbeiten möchten. Durch die speziellen Vormontage-Arbeitsplätze ist das möglich. 

2. Inklusion mobilitätseingeschränkter Menschen: Alle Busse des Werkslinienverkehrs sind Handicap-gerecht ausgestattet und halten diese Kolleginnen und Kollegen mobil. Vor oder in jedem Büro eines Rollstuhlfahrers befindet sich ein Modell des Rettungsstuhls EscapeChair. Die nicht behinderten Kollegen wurden darauf eingewiesen, sodass nicht nur die Feuerwehr, sondern auch diese Kollegen im Gefahrenfall rettend eingreifen können. 

3. Verstehen und Kommunizieren für Gehörlose sind sichergestellt: Airbus Hamburg beschäftigt derzeit 19 gehörlose Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und fördert zielgerichtet deren Integration in den Arbeitsalltag: 18 Gebärdensprachdolmetscher, die auf das technische Fachvokabular speziell trainiert sind, sind regelmäßig im Einsatz.

Airbus stellt durch verschiedene Maßnahmen sicher, dass auch die ca. 100 schwerhörigen Kolleginnen und Kollegen informiert sind. Diesen stellt die Firma für den beruflichen Alltag Hilfsmittel bereit. Bei Veranstaltungen und Präsentationen kommen Schriftdolmetscher zum Einsatz. Diese Informationen können auch auf die individuell angepasste technische Ausstattung der einzelnen Schwerhörigen übertragen werden. Zudem ermutigen SBV und Geschäftsführung die Schwerhörigen, ihre Hörprobleme im Be- trieb zu benennen, damit sie die nötige Unterstützung erhalten. 

Zu den Grundsätzen der Schwerbehindertenvertretung Airbus Hamburg sagt der neu gewählte Kollege Thomas Heinemann: „Wir setzen uns mit viel Energie, Teamgeist und Freude dafür ein, gemeinsam mit der Unternehmensführung Initiativen zu ergreifen und Maßnahmen umzusetzen, die die Integration unserer behinderten Kolleginnen und Kollegen in das normale Berufsleben fördern und sie als festen Bestandteil der Wertschöpfung im Unternehmen etablieren.“ 

Das Unternehmen beschreitet zurzeit neue Wege 

Folgende Neuerungen nennt Thomas Heinemann: 

  • Einrichtung eines allergiefreien Arbeitsraums für Allergiker und Lungenerkrankte
  • spezielle Werkbänke mit Drehtellern in der Kabelfertigung, die vom Werker jeweils für die anstehende Arbeit individuell angepasst werden
  • diverse Büroarbeitsplätze, die den Bedürfnissen der Kolleginnen und Kollegen angepasst sind, wie z. B. Einzelbüros, spezielle Möbel und Geräte wie etwa Einhand-Tastaturen für Mitarbeiter mit Schlaganfallschäden 
  • Mitgestaltung eines behindertenfreundlichen Bewerbersystems für Auszubildende, bei dem z. B. junge Menschen mit Lernschwächen eine Chance bekommen 

Motto dieser erfolgreichen SBV 

„Und was noch an Bedürfnissen so anfällt: WIR SIND DA. Geht nicht gibt’s nicht. Wir versuchen immer, einen Weg zu finden.“ 

Erst nachdem ich diese Auskünfte erhalten hatte, kam die Meldung von der Produktionseinstellung des großen Airbus 380. Insofern ist diese vermutlich auch für die Schwerbehindertenvertretung wichtige beschäftigungspolitisch relevante Baustelle in diesem Beitrag nicht berücksichtigt. 

Heinemann auf der Fachtagung März 2019 

Thomas Heinemann gibt seine Erfahrungen auch weiter. So hielt er im März 2019 in Berlin ein Referat auf der Fachtagung „Teilhabe gehörloser Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsleben“ über seine Arbeit und sein Engagement für mehr gezielte Förderung von Fachgebärden für Gehörlose. 

Thomas Heinemann vertrat im Abschlussplenum zusammen mit Helmut Greiner (VW Salzgitter) und 4 weiteren gehörlosen Referenten die Wünsche der Gehörlosen an die Politik: mehr Mittel für Gebärdensprachdolmetschen, Förderung von Fachgebärden-Sammlungen und Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen etc. 

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Arzt und Arbeitsrecht

Ich habe gleich zwei Fragen: 1. Ich arbeite bei einem älteren Arzt. Er will nächstes Jahr seine Praxis an einen jüngeren Kollegen übergeben. Ich bekomme dann einen neuen Chef, da ich übernommen werden soll. Jetzt haben die... Mehr lesen

23.10.2017
Was nach dem AGG als Diskriminierung gilt

Was bezweckt eigentlich das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)? Das AGG verbietet jede unzulässige Benachteiligung von Beschäftigten wegen eines Diskriminierungsmerkmals (vergleiche § 7 Abs. 1 AGG). Für Sie als... Mehr lesen

23.10.2017
Und es geht doch: Kündigung bei Pfandbon-Missbrauch

Der Fall: Ein Arbeitnehmer war seit 17 Jahren als Kassierer bei seinem Arbeitgeber beschäftigt. Dann geriet er in den Verdacht, in 2 Fällen Pfandbons gefälscht und damit eine Pfandsumme von insgesamt 6,06 € eingestrichen zu... Mehr lesen