verständlich, unabhängig, rechtssicher

Arbeitnehmerrechte und betriebliche Interessen rechtssicher vertreten und durchsetzen.


Psychische Erkrankung – Darf Arbeitgeber Krankheitsdaten an den neuen Vorgesetzten weitergeben?

05.12.2010

Stellen Sie sich folgenden Fall vor: Eine Arbeitnehmerin war seit mehreren Monaten erkrankt. Sie litt an einer psychischen Störung und wurde stationär behandelt. Nun ist sie stabilisiert und kann ab dem 15. Dezember wieder zur Arbeit erscheinen. Mit dem Arbeitgeber ist eine Wiedereingliederung vereinbart worden.  
Das Problem: Sie soll in eine neue Abteilung kommen und hat Angst davor, dass die psychische Erkrankung, von dem der Arbeitgeber Kenntnis hat, bekannt wird. So möchte sie nicht, dass der Arbeitgeber ihrem neuen Vorgesetzten oder anderen Mitarbeitern etwas davon erzählt. Kann sie das verhindern?
Der Arbeitgeber hat das Persönlichkeitsrecht der Mitarbeiter zu wahren. Zudem muss er die Regelungen über den Datenschutz, insbesondere das Bundesdatenschutzgesetz und die Datenschutzgesetze der Länder beachten.

Die Lösung des Problems lässt sich hervorragend an den Grundsätzen über die Personalakte erkennen. Nur unmittelbar Beteiligte dürfen die Personalakte einsehen. Das sind die engsten Mitarbeiter in der Personalabteilung sowie der Vorgesetzte des Mitarbeiters. Sind in der Personalakte tatsächlich persönliche Krankheitsberichte vorhanden, sind selbst diese in einem verschlossenen Umschlag aufzubewahren und gegen unbefugte Einsichtnahme sichern.

In jedem Fall darf der Arbeitgeber nicht anderen Arbeitnehmern, sofern sie keine Vorgesetztenfunktion haben, Informationen weiterreichen.

Mein Tipp:
Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber und bitten Sie ihn, diese Daten nicht weiterzugeben. Im Zweifelsfall weisen Sie ihn auf die Einhaltung der Gesetze hin. Gibt er die Daten trotzdem weiter, steht Ihnen ein Schadenersatzanspruch zu!

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Frage: Ich bin wegen einer eitrigen Mittelohrentzündung, Rachenentzündung und Kehlkopfentzündung krankgeschrieben. Ich habe meinen Hausarzt in meiner Heimatstadt, in der ich auch arbeite. Ein gelber Schein liegt dem Arbeitgeber...

| 9. Februar 2010

Viele Arbeitgeber werden immer rigoroser. Jetzt habe ich von einem Fall gelesen, in dem eine Arbeitnehmerin arbeitsunfähig krank geschrieben war. Ihr Arbeitgeber zweifelte aber an der Richtigkeit der Krankschreibung und...

| 25. April 2010

Seit dem 01.01.1995 gibt es die Pflegeversicherung und seit dem 01.07.08 gibt es das Pflegezeitgesetz. Danach können Sie eine Pflegezeit zur Pflege naher Angehöriger nehmen: kurzzeitige Arbeitsverhinderung bis maximal 10 Tage,...

| 28. Mai 2010
© 2015, VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG