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Arbeitnehmerrechte und betriebliche Interessen rechtssicher vertreten und durchsetzen.


So kann Ihr Arbeitgeber Sie versetzen

Es gibt zwei Arten von Versetzung:

  • die arbeitsvertragsrechtliche und
  • die betriebsverfassungsrechtliche.

Das ist der Unterschied bei einer Versetzung

Bei der arbeitsvertragsrechtlichen Versetzung ändert sich Ihr Aufgabenbereich nach Ort, Art oder Umfang der Tätigkeit.

Ein Beispiel: Es handelt sich um eine arbeitsvertragliche Versetzung, wenn Ihr Arbeitgeber Sie von Ihrer Stelle als Telefonistin in der Telefonzentrale in das Sekretariat versetzt.

Bei einer betriebsverfassungsrechtlichen Versetzung ändern sich

  • der Arbeitsbereich,
  • für voraussichtlich mehr als die Dauer von einem Monat oder
  • verbunden mit einer erheblichen Änderung der Umstände, unter denen die Arbeit zu leisten ist (§ 95 Abs. 3 S. 1 BetrVG),

während Funktion, Position und Arbeitsort gleich bleiben.

 

Das bedeutet der Unterschied für Sie

Grundsätzlich verbindlich ist die arbeitsvertragsrechtliche Definition, bei der sich auch Ihre Funktion ändert. Der betriebsverfassungsrechtliche Definitionsbegriff ist mehr für Ihren Arbeitgeber von Belang: Er muss auch eine solche Versetzung ohne Funktionsänderung von seinem Betriebsrat abnicken lassen.

 

In diesen Fällen ist eine Versetzung möglich:

  1. Ihr Arbeitgeber überträgt Ihnen eine neue Teilfunktion.
  2. Ihr Arbeitgeber entzieht Ihnen eine bisher wahrgenommene Teilfunktion.

Beispiel: Ein Autohändler kann einem Autoverkäufer, der bisher als Gebietsverkäufer und zugleich mit einem zeitlichen Anteil von 25 % als Ladenverkäufer eingesetzt wurde, den Ladendienst entziehen.

  1. Ihr Arbeitgeber teilt Ihnen eine vollkommen neue Aufgabe zu.

Beispiel: Ein bislang auch mit organisatorischen Lageraufgaben (etwa Warenannahme, Wareneingangskontrolle und Überprüfung der Lagerplätze auf optimale Warenbestückung) betrauter Mitarbeiter soll jetzt nur noch innerbetriebliche Transporte mit einem Lkw durchführen.

 

Versetzung in mehrere Richtungen möglich

Bei einer Versetzung sollten Sie auch zwischen der horizontalen und der vertikalen Versetzung unterscheiden.

 

Horizontal – Ihre Arbeit bleibt gleichwertig

Versetzt Ihr Arbeitgeber Sie auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz, spricht man von einer horizontalen Versetzung. Sie bleiben auf derselben hierarchischen Ebene.

Beispiel: Wird Herr Berndt, Sachbearbeiter in der Abteilung Import USA und Südamerika, zur Sachbearbeitung in die Abteilung Einkauf versetzt, handelt es sich um eine horizontale Versetzung.

 

Vertikal – Sie werden befördert oder herabgestuft

Teilt Ihr Arbeitgeber Ihnen dagegen einen höher- oder geringer wertigen Arbeitsplatz zu, spricht man von einer vertikalen Versetzung: Sie klettern nach oben oder steigen nach unten ab.

Beispiel: Herr Berndt soll vom Sachbearbeiter Einkauf zum stellvertretenden Abteilungsleiter der Abteilung Export befördert werden. Herr Berndt steigt so in der Hierarchie auf; es handelt sich um eine vertikale Versetzung.

 

Das müssen Sie mit sich machen lassen:

Hat Ihr Arbeitgeber sich im Arbeitsvertrag ausdrücklich eine Versetzung vorbehalten, kann er Sie relativ leicht anderweitig einsetzen.

Beispiel: Auch wenn als Tätigkeitsort „Rostock“ festgelegt ist, erlaubt ihm aber eine Versetzungsklausel im Vertrag, Sie auch anderswo in Mecklenburg-Vorpommern einzusetzen.

 

Dabei muss Ihr Arbeitgeber Ihre Interessen berücksichtigen

Doch selbst wenn der Arbeitsvertrag Ihrem Arbeitgeber in Sachen Versetzung freie Hand lässt, muss er immer auch „billiges Ermessen“ anwenden, also abwägen, ob sein Interesse an der Versetzung Ihr Interesse daran, den aktuellen Zustand beizubehalten, überwiegt. (§ 315 BGB). Dabei muss er auch Ihre privaten Belange berücksichtigen:

Beispiel: Ein Arbeitgeber wollte einen Mitarbeiter an einen weiter entfernten Arbeitsort versetzen. Die einfache Strecke von zu Hause zur Arbeit hätte nach der Versetzung ca. 260 km betragen.

Der Mitarbeiter klagte dagegen und gewann. Die Frankfurter Arbeitsrichter standen auf Arbeitnehmerseite, weil der Mitarbeiter Familienvater war. Dieser Rolle hätte er bei einem derart langen Arbeitsweg kaum noch gerecht werden können (ArbG Frankfurt, 9.1.2007, 7 Ga 238/06).

Beispiele für zulässige Versetzungen:

  • die Versetzung einer Verkäuferin von der Kinder- in die Herrenabteilung oder
  • die Versetzung eines Filialleiters, dessen Arbeitsort nicht näher bestimmt war, in eine andere Filiale.
Tipp: Es kann das Direktionsrecht Ihres Arbeitgebers einschränken, wenn er Sie über einen längeren Zeitraum hinweg auf Ihrem Arbeitsplatz hat arbeiten lassen, sodass bei Ihnen der Eindruck entstanden ist, dass Sie „da nie mehr weg müssen“. Darauf können Sie sich dann möglicherweise auch verlassen.

Regelungen finden sich manchmal im Tarifvertrag

Ist Ihr Unternehmen an einen Tarifvertrag gebunden oder nimmt Ihr Arbeitsvertrag auf einen Tarifvertrag Bezug, schauen Sie auch dort nach – oft sind hier Versetzungsrechte geregelt.

17.08.2009
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