12.10.2017

Welche Erwachsenen mit Behinderungen haben Anspruch auf einen Platz in einer WfbM?

Anspruch auf einen Arbeitsplatz in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) haben Erwachsene, die wegen der Art oder Schwere ihrer Behinderung keine betriebliche Berufsausbildung und keine Erwerbsarbeit auf dem 1. Arbeitsmarkt bekommen. Die rund 700 WfbM in Deutschland für 280.000 Menschen mit Behinderungen müssen Betroffene wohnortnah aufnehmen. Schwerst- und Mehrfachbehinderte erhalten spezifische Fördermaßnahmen zumeist unter dem Dach einer WfbM.

Insgesamt steigt die Zahl der Beschäftigten in WfbM stetig an. Es sind vor allem Menschen mit einer geistigen Behinderung, die in den Werkstätten arbeiten.

Anteil der Menschen mit spezifischen Behinderungsarten

  • geistige Behinderung: 77,49 %
  • psychische Behinderung: 19,18 %
  • körperliche Behinderung: 3,33 % (erhoben von der Bundesarbeitsgemeinschaft WfbM e. V. zum 1.1.2012)

Weniger Kinder mit Behinderungen geboren

Das Statistische Bundesamt (DESTATIS) stellte fest, dass in der Altersgruppe von 0 bis 4 Lebensjahren jährlich nur 14.000 Kinder von einer angeborenen Behinderung betroffen sind. Dennoch steigen die Beschäftigungszahlen in den knapp 700 deutschen WfbM an.

Obwohl also die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Behinderung zurückgeht, arbeiten heute mehr Menschen in Behindertenwerkstätten als je zuvor. Experten gingen vor einigen Jahren noch davon aus, dass mit rund 250.000 Beschäftigten der Gipfel an Beschäftigung erreicht sei und diese Zahl sich bis Ende 2010 stark rückläufig entwickelt.

Mehr Menschen mit psychischen Erkrankungen

Offensichtlich, so Experten, kämen immer mehr Menschen nicht mit körperlichen, sondern mit psychischen Behinderungen in die WfbM. Steter Leistungsdruck, flexible Arbeitszeiten auch an Abenden und am Wochenende wirken sich nachteilig für die Arbeitnehmer aus. Stress und Mobbing tragen offensichtlich dazu bei, dass der Anteil psychisch Kranker am Arbeitsplatz immer stärker ansteigt.

In der Fachöffentlichkeit wird sehr kontrovers diskutiert, ob tatsächlich alle Werkstattbeschäftigten in einer WfbM arbeiten sollten. Fachleute vermuten, dass rund 5 % der Belegschaft einer Werkstatt nicht unbedingt dort arbeiten müssten. Für schwerst- und mehrfach behinderte Menschen werden eigens Tagesförderstätten eingerichtet, die häufig aber in WfbM integriert sind.

Mein Tipp: Erheben Sie psychische Belastungen

Machen Sie sich als SBV gemeinsam mit dem Betriebs-/Personalrat und Ihrem Betriebs-/Amtsarzt stark, dass psychische Belastungen im Betrieb / in der Dienststelle erhoben und bewertet werden. Regen Sie an, dass in regelmäßigen Abständen Umfragen unter den Mitarbeitern durchgeführt werden, um den psychischen Belastungen am Arbeitsplatz auf die Spur zu kommen. Betriebs-/Amtsärzte sind für diese Erhebungen die richtigen Fachleute und besitzen die nötigen Erfahrungen mit der Auswertung von Umfragen, die Stressfaktoren in Betrieben und Behörden analysieren.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Dienstunfähige Polizistin als Sängerin – Das geht nicht!

Immer wieder gibt es Streit darüber, ob und welche Nebentätigkeiten Beamte ausüben dürfen. Jetzt hat es eine Polizeikommissarin offensichtlich übertrieben. Sie ist Polizeibeamtin im Land Nordrhein-Westfalen. Ihr war auch seit... Mehr lesen

23.10.2017
Schadenersatz bei rechtswidrigem Streik – Gewerkschaften aufgepasst!

Wissen Sie, weshalb es in Deutschland so wenig Streiks gibt? Wilde Streiks sind nicht erlaubt. Darunter versteht man die nicht gewerkschaftlich geführten Streiks, also Arbeitsniederlegungen der Mitarbeiter, ohne dass eine... Mehr lesen

23.10.2017
Fristlose Kündigung nach angedrohter Erkrankung

Gestern besuchte mich eine Mandantin, die eine Kündigung erhalten hatte. Aus diesem Grund möchte ich Sie nochmals auf das Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 12.03.2009, Az.: 2 AZR 251/07, hinweisen. Meiner Mandantin war... Mehr lesen