18.08.2009

Richtig krank melden – das müssen Sie bei Ihrer Krankmeldung beim Arbeitgeber beachten

Immer wieder bekommen Arbeitnehmer Ärger, weil sie sich angeblich oder tatsächlich nicht rechtzeitig krank melden. Diesen Ärger, der zu Abmahnungen und in der Folge zu Kündigungen führen kann, können Sie einfach vermeiden, indem Sie einige Dinge im Fall einer Krankmeldung beim Arbeitgeber beachten.

Krank melden – Sie haben 2 unterschiedliche Pflichten

Zunächst muss man sauber unterscheiden. In jedem Fall müssen Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber schnellstmöglich krank melden. Ob Sie zusätzlich eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für Ihre Krankmeldung beim Arbeitgeber brauchen, ist eine andere Frage. Beide Pflichten zur Krankmeldung sollten Sie sehr ernst nehmen.

Pflicht 1. Die Krankmeldung

Ihre Krankmeldung muss unverzüglich erfolgen, d. h. im Juristendeutsch: „ohne schuldhaftes Zögern“. Sie müssen sich also so schnell krank melden, wie es Ihnen möglich ist. In der Regel also sobald Sie selbst die Arbeitsunfähigkeit bemerken. Daher müssen Sie in den meisten Fällen innerhalb der ersten halben Stunde nach Arbeitsbeginn, spätestens aber in den ersten Stunden nach Arbeitsbeginn, Ihren Vorgesetzten informieren. Ein typischer Fehler ist es mit dieser Information des Arbeitgebers zu warten, bis Sie beim Arzt waren.

Richten Sie die Krankmeldung unbedingt an Ihren Arbeitgeber oder Vorgesetzten. Das Arbeitsrecht sieht die Krankmeldung beim Arbeitgeber ausdrücklich vor. Bei einem Kollegen krank melden reicht daher in der Regel nicht aus. In vielen Fällen gibt es interne Richtlinien, an wen Sie Ihre Krankmeldung richten sollen. Auch in Arbeitsverträgen sind entsprechende Vorgaben enthalten. Prüfen Sie diese Unterlagen rechtzeitig, bevor Sie erkranken, damit Ihnen insoweit keine Fehler unterlaufen.

Besondere Formvorschriften für die Krankmeldung beim Arbeitgeber kennt das Gesetz nicht, Sie können das also formfrei erledigen. Üblich sind telefonische Krankmeldungen. Hilfreich ist es, wenn Sie einen Zeugen dafür haben, dass Sie sich krank melden. Notieren Sie sich Datum, Uhrzeit und mit wem Sie Ihren Arbeitgeber informiert haben.

Darf ich mich auch per Mail krank melden?

Sie sind verpflichtet, Ihrem Arbeitgeber Ihre Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer unverzüglich mitzuteilen. Wie das zu geschehen hat, steht nicht im Gesetz. Deshalb ist auch eine Mitteilung per E-Mail oder SMS genau so möglich, wie ein Telefonanruf oder ein Telefax.

Beachten Sie aber bitte Folgendes: Wichtig ist, dass Ihr Arbeitgeber unverzüglich die Mitteilung erhält. Wenn Ihnen also bekannt ist, dass E-Mails nur alle 2 Stunden abgerufen werden oder sämtliche E-Mails an einem bestimmten Arbeitsplatz auflaufen und von dort erst mit Zeitverzögerung verteilt werden, wäre ich vorsichtig. Natürlich ist die Nachricht auch dann in den Machtbereich Ihres Arbeitgebers gelangt. Der hier entscheidende § 5 des Entgeltfortzahlungsgesetzes will aber, dass Ihr Chef sofort Kenntnis erlangen kann, um entsprechende Vertretungsmaßnahmen einleiten zu können. Es reicht letztendlich auch nicht aus, wenn Sie telefonisch Arbeitskollegen, dem Pförtner, Betriebsratsmitglieder oder der Telefonistin von Ihrer Krankheit berichten. Natürlich muss Ihr Arbeitgeber Sie darüber informieren, wen Sie von einer Arbeitsunfähigkeit unterrichten sollen. Im Regelfall dürfte das der Leiter der Personalabteilung oder Ihr unmittelbarer Vorgesetzter sein.

Wenn Sie diesen Personen eine E-Mail schicken, ist das völlig in Ordnung.

Pflicht 2. Vorlage der ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung („Gelber Schein“)

Von Gesetzes wegen müssen Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erst vorlegen, wenn die Arbeitsunfähigkeit länger als 3 Tage dauert. Sie muss dann am 4. Tag der Arbeitsunfähigkeit beim Arbeitgeber vorliegen. Das steht so in § 5 Abs. 1 Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG). Allerdings kann der Arbeitgeber entweder generell oder im Einzelfall auch verlangen, dass die Bescheinigung früher vorgelegt wird.

In diesen Fällen müssen Sie die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung früher vorlegen

Es gibt mehrere Möglichkeiten, warum Sie in Ihrem Arbeitgeber den gelben Schein bereits früher als am 4. Tag der Krankheit vorlegen müssen:

  • In Ihrem Arbeitsvertrag ist das bestimmt,
  • Ein auf Ihr Arbeitsverhältnis anzuwendender Tarifvertrag sieht das vor,
  • Ihr Arbeitgeber hat die vorzeitige Vorlage von Ihnen verlangt.

Halten Sie diese Vorgaben unbedingt ein. Sonst droht Ihnen eine Abmahnung. Die Arbeitgeber verstehen in dieser Frage oftmals keinen Spaß.

Wie ist der „Gelbe Schein“ aufgebaut?

Gestern rief mich ein völlig verunsicherter Arbeitnehmer an. Er war arbeitsunfähig erkrankt und hatte sich mit Ablauf des dritten Tages seiner Krankheit, also am vierten Tag, mit dem „gelben Schein“ bei seinem Arbeitgeber krank gemeldet. Von seinem Arzt hatte er die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erhalten.

Leider ist ihm jedoch ein ärgerliches Versehen passiert: Er hat die für die Krankenkasse bestimmte Durchschrift des „Gelben Scheins“ an den Arbeitgeber übersandt.

Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung besteht aus zwei Teilen. Auf dem einen Blatt steht der Beginn der Erkrankung sowie das voraussichtliche Ende der Erkrankung. Dieser ist für den Arbeitgeber bestimmt. Das andere Blatt ist für die Krankenkasse bestimmt. Darauf befindet sich auch die Diagnose. Sie ist zwar in aller Regel durch Zahlen verschlüsselt, diese können jedoch sofort von ihrem Arbeitgeber entschlüsselt werden.

Der jeweilige Adressat der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen steht im oberen Bereich. Daran können Sie erkennen, ob diese an den Arbeitgeber oder an Ihre Krankenkasse zu senden sind. Leider hat in diesem Fall der Arbeitnehmer die Adressaten der Krankmeldung verwechselt. Nun weiß im Zweifelsfall Ihr Arbeitgeber, welche Krankheit Sie haben. Das ist jetzt nicht mehr zu ändern. Direkte Nachteile können Ihnen dadurch nicht entstehen.

Mein Tipp: Gehen Sie zu Ihrem Arbeitgeber und tauschen Sie die Bescheinigungen aus. Ihr Arbeitgeber hat Anspruch auf die für ihn adressierte Bescheinigung und Ihre Krankenkasse benötigt unbedingt die Bescheinigung vom Arzt, die Sie Ihrem Arbeitgeber gegeben haben. Vielleicht hat Ihr Chef es ja auch noch nicht bemerkt, dass er den falschen „gelben Schein“ erhalten hat.

Muss ich mich bei einer Verlängerung der Arbeitsunfähigkeit nach meiner Krankheit zunächst gesund melden?

Wieder einmal hat ein Arbeitnehmer völlig zu Unrecht Ärger mit seinem Arbeitgeber bekommen. Folgendes war geschehen:

Der Arbeitnehmer war arbeitsunfähig erkrankt und lag bis zum 15. September im Krankenhaus. Dann erhielt er eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, worin zunächst eine voraussichtliche Arbeitsunfähigkeitsdauer bis zum 24. September eingetragen wurde.

Dann ging der Arbeitgeber an diesem Tag erneut zum Arzt und die Bescheinigung wurde bis zum 29. September verlängert. Als der Arbeitnehmer dann am Donnerstag, dem 30. September wieder arbeiten wollte, wurde er erst einmal ins Personalbüro gerufen und richtig fertig gemacht. Er hätte sich „gesund melden“ müssen. Schließlich habe die Firma nicht gewusst, dass er heute zur Arbeit wieder erscheint und man habe eine Vertretung von einer Leiharbeitsfirma bestellt. Sodann hat man ihn nach Hause geschickt und mitgeteilt, der Tag würde nicht bezahlt.

Was meinen Sie dazu?
Meine Meinung ist klar: Was der Arbeitgeber hier macht, ist rechtswidrig, menschenverachtend und mit den Gesetzen nicht in Einklang zu bringen. Kein Arbeitnehmer muss sich „gesund melden“. Ist eine voraussichtliche Arbeitsunfähigkeitsdauer auf dem „Gelben Schein“ vermerkt und der Arbeitnehmer somit krank gemeldet, haben sich alle Beteiligten daran zu halten. Der Arbeitgeber kann davon ausgehen, dass der Arbeitnehmer am nächsten Tag wieder zur Arbeit erscheint.

Sind Sie als Arbeitnehmer tatsächlich länger krank, haben Sie dies dem Arbeitgeber natürlich auch unverzüglich mitzuteilen. Erfolgt keine Mitteilung, werden Sie wieder am Arbeitsplatz erscheinen.

Fazit: Eine „Gesundmeldung“ gibt es nicht. Natürlich ist der Fehltag von dem Arbeitgeber zu bezahlen!

Krank melden für den „Blauen Montag“?

Es ist Montag. Wenn Sie sich heute krank melden, müssen Sie sich häufig auch noch offene oder versteckte Vorwürfe gefallen lassen. Oft ist da vom „Blauen Montag“ die Rede, also von einem eigenmächtig verlängerten Wochenende.

Dabei beginnen die meisten Erkrankungen bereits am Samstag oder Sonntag. Wehren Sie sich gegen solche Vorwürfe und gehen Sie in die Offensive. Teilen Sie Ihrem Arbeitgeber mit, dass Sie sich bereits seit dem Wochenende unwohl fühlen. Oder gehen Sie direkt zu Ihrem Arzt: Zwar sind Sie nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz verpflichtet, erst mit Ablauf des 3. Krankheitstags einen „Gelben Schein“ vorzulegen. Dies ist aber auch bereits bei kürzeren Erkrankungen möglich. Sie nehmen damit Spekulationen über eigenmächtige Wochenendverlängerungen den Wind aus den Segeln.

Krankmeldung beim Arbeitgeber und trotzdem ab in den Urlaub?

Immer wieder ein schönes Problem: Eine Arbeitnehmerin ist noch bis zum 24.12.2010 krank gemeldet. Sie hat ihrem Arbeitgeber einen Gelben Schein vorgelegt und soweit ist alles in Ordnung.

Sie hatte aber bereits im Juli einen Urlaubsantrag gestellt und eine Reise vom 20. Dezember bis zum 01. Januar gebucht. Nun ist der Chef der Meinung, dass sie diese Urlaubsreise nicht antreten darf. Wörtlich hat er gesagt: „Wer krank gemeldet ist, kann nicht in den Urlaub fliegen. Fliegen Sie trotzdem, brauchen Sie nicht mehr wiederzukommen.“

Was tun? Jetzt ist guter Rat teuer. Rechtlich ist die Sache eindeutig: Grundsätzlich darf die Arbeitnehmerin in den Urlaub fliegen. Sie hat nur alles zu unterlassen, was den Heilungsverlauf verzögern würde. Bei vielen Krankheiten verzögert eine Urlaubsreise aber gerade nicht den Heilungsverlauf, sondern fördert ihn sogar. Schwierig wird es natürlich, wenn ein Rückenleiden vorliegt und ein langes Sitzen nicht möglich ist. Ob dann eine Flugreise das richtige ist, wage ich zu bezweifeln.

Soweit die Rechtslage. Gleichwohl sollte sich die Arbeitnehmerin absichern, wie ihre Rechtsstellung ist, wenn der Arbeitgeber kündigt. Ist sie beispielsweise in einem Kleinbetrieb beschäftigt und hat keinen Kündigungsschutz, kann sie sehr schnell ohne Arbeitsverhältnis dastehen. Das ist sicherlich auch nicht gewollt.

In diesem Fall hilft nur eins: Versuchen Sie nochmals das Gespräch mit dem Chef zu suchen und ihm klarzumachen, dass die Urlaubsreise den Heilungsverlauf nicht beeinträchtigt. Machen Sie ihm nochmals klar, dass es Ihnen aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist, am Arbeitsplatz zu erscheinen. Geht er auf Ihre Argumente nicht ein, wägen Sie sorgfältig ab, wie Sie sich verhalten.

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