06.04.2010

Rechtsirrtümer des Arbeitsrechts – Teil 6

Irrtum: Ein Arbeitgeber benötigt stets einen Kündigungsgrund

Heute und in den nächsten Tagen werde ich Ihnen die in der Praxis am häufigsten vorkommenden Rechtsirrtümer im Arbeitsrecht vorstellen: Damit Sie die Fehler anderer Arbeitnehmer vermeiden können.

 

Hartnäckig hält sich das Gerücht, der Arbeitgeber brauche für eine Kündigung stets einen Kündigungsgrund. Das ist aber gerade nicht richtig. Grundsätzlich benötigt der Arbeitgeber keinen Kündigungsgrund. Er kann, stets unter Einhaltung der Kündigungsfrist, jederzeit das Arbeitsverhältnis mit Ihnen beenden. Einen Kündigungsgrund benötigt er nur dann, wenn Sie Kündigungsschutz haben. Das kann besonderer Kündigungsschutz sein, beispielsweise bei Vorliegen einer Schwangerschaft, während der Elternzeit oder bei Vorliegen einer Schwerbehinderung. Gleiches gilt, wenn Sie Mitglied des Betriebsrates, des Personalrates, der Jugend- und Auszubildendenvertretung oder Ähnliches sind. Einen Kündigungsschutz hat auch der Abfallbeauftragte.

Der allgemeine Kündigungsschutz gilt dann, wenn Sie mindestens 6 Monate im Betrieb beschäftigt sind und der Betrieb regelmäßig mehr als 10 Arbeitnehmer beschäftigt. Dann muss der Arbeitgeber im Zweifel, wenn Sie gegen die Kündigung durch eine Klage vorgehen, vor Gericht den Kündigungsgrund nachweisen.

Also: Gehen Sie gegen diese Kündigung nicht vor, muss der Arbeitgeber keinen Grund angeben und diesen naturgemäß auch nicht nachweisen.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Keine abschlagsfreie Rente mit 63 bei vorherigem Arbeitslosengeldbezug

Hier müssen sämtliche Beteiligten ganz besonders aufpassen. Möchten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bereits vorzeitig in Rente gehen, gibt es ein neues Hindernis. Denn eine abschlagsfreie Rente ab 63 Jahren setzt 45... Mehr lesen

23.10.2017
Gilt die Verweisung auf einen Tarifvertrag auch für nicht tarifgebundenen Betriebserwerber?

Der Fall: In einem Arbeitsvertrag von 1998 wurde auf „die Bestimmungen der gültigen Tarifverträge der Metallindustrie Schleswig-Holstein in der jeweils gültigen Fassung“ Bezug genommen. Die Arbeitgeber wechselten zwar durch... Mehr lesen