23.05.2017

Vorbeugen ist besser als heilen

Der Europäische Gerichtshof hat im Dezember 2014 entschieden, dass extreme Adipositas eine Behinderung sein kann. Machen wir uns nichts vor: Hohes Übergewicht schadet der Gesundheit sehr! Klar können Sie als Personalrat das Essverhalten Ihrer Kollegen nicht ändern, aber: Sie können in der Dienststelle ein effektives Gesundheitsmanagement schaffen, das die Gesundheit Ihrer Kolleginnen und Kollegen wenigstens in Ihrem Einflussbereich – so gut es geht – schützt. Und wer weiß, der ein oder andere nimmt sicher auch etwas für sein Privatleben aus Ihrer Gesundheitsfürsorge mit.

Säulen des Gesundheitsschutzes

Der Gesundheitsschutz steht – wie wir – auf 2 Beinen:

  1. Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit – Ziel: Schutz vor Unfällen und Krankheit
  2. Dienstliche Gesundheitsförderung (Gesundheitsmanagement) – Ziel: Verbesserung der Arbeitsbedingungen

Leider ist die Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz bislang allenfalls Stückwerk: hier ein paar empfohlene Gymnastikübungen am Schreibtisch, da ein paar Tipps zum Augentraining etc. Doch ein betriebliches Gesundheitsmanagement ist mehr. Es ist ein ganzheitliches System, das in erster Linie der Prävention von gesundheitlichen Belastungen der Mitarbeiter dient.

Oder anders ausgedrückt: Es geht um das systematische Management der Gesundheit Ihrer Kollegen.

Der Managementaspekt ist deshalb so zu betonen, weil ein dienstliches Gesundheitsmanagement nur Erfolg haben kann, wenn es auch bei Ihnen in der Dienststelle als wichtige Führungsaufgabe verstanden wird.

Gesundheitsmanagement lohnt sich auch für Ihre Dienststellenleitung

„Warum sollte ich ein Gesundheitsmanagement einführen, es ging doch auch bisher ohne?“ Das wird Ihnen Ihre Dienststellenleitung sicher erst einmal entgegnen. Ihre Antwort darauf: „Weil Sie damit Ihrer Fürsorgepflicht als Arbeitgeber nachkommen!“

Aber nicht nur das: Im Rahmen eines betrieblichen Gesundheitsmanagements sind die angebotenen oder vermittelten notwendigen Gesundheitsdienstleistungen zum Zweck der Erhaltung der Arbeitskraft mit Synergieeffekten verbunden.

Ihr Dienstherr schlägt mehrere Fliegen mit einer Klappe. Und das hat für alle positive Folgen:

  • Die Fehlzeitenquote nimmt dadurch mittelfristig ab, denn die Mitarbeiter bleiben länger gesund und damit arbeitsfähig.
  • Außerdem wird die Beschäftigung im öffentlichen Dienst ganz nebenbei attraktiv und zieht so Top-Arbeitskräfte an.
  • Im Übrigen: Gesunde Mitarbeiter sind motivierte Mitarbeiter!

Trotz dieser offenkundigen Vorteile rückt bei vielen Dienststellenleitungen die interne Gesundheitsförderung erst auf Druck – nämlich aufgrund einer erheblichen Fehlzeitenquote – in den Fokus. Und dann wird meist auch nur Flickschusterei betrieben; es kommt zu Schnellschüssen, ohne nähere Ursachenforschung zu betreiben.

Klar ist hier vor allem: Solcher Aktionismus hat keine nachhaltige Wirkung – ganz abgesehen davon, dass manche Maßnahmen sogar komplett in die falsche Richtung führen.

Wichtig

Machen Sie Ihrer Dienststellenleitung klar, welchem enormen psychischen Druck Mitarbeiter im öffentlichen Dienst oft ausgesetzt sind. Denken Sie zum Beispiel an • Ihre Kollegen im öffentlichen Nahverkehr: U-Bahn- oder Busfahrer haben die Verantwortung für Leib und Leben der Fahrgäste. Dabei sind sie selbst unmittelbaren Gefahren ausgesetzt, etwa durch randalierende Fahrgäste; • Ihre Kollegen beim Jobcenter: Diese müssen Akten über Menschen lesen, die oft schwer erkrankt sind. Das geht im wahrsten Sinne des Wortes aufs Gemüt. Erhalten diese Menschen nicht psychologische Schützenhilfe durch die Dienststellenleitung, laufen sie schnurstracks in einen Burnout.

Ein durchdachtes ganzheitliches Gesundheitsmanagement bringt Ihrer Dienststellenleitung und Ihren Kollegen hingegen erhebliche Vorteile – wie nachstehend zusammengefasst:

Vorteile des Gesundheitsmanagements

Vorteile für die Dienststellenleitung

  • Wachsendes Bewusstsein für gesundheitsförderndes Verhalten in der Arbeit
  • Senkung des Krankenstandes durch Gesundheitsmaßnahmen
  • Verbesserung der Arbeitszufriedenheit und damit Produktivität
  • Senkung der Fluktuationsquote
  • Vorteile bei der Anwerbung neuer Mitarbeiter („guter Arbeitgeber“)

Vorteile für die Belegschaft

  • Sensibilität für gesundheitsförderndes Verhalten bei der Arbeit und in der Freizeit • Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands Ihrer Belegschaft
  • Förderung eines positiven Betriebsklimas
  • Steigerung der Arbeitszufriedenheit

Gesundheitsmanagement ist auch ein Bereich, mit dem Sie zeigen können, dass Sie am Puls der Zeit sind. Denken Sie hier an den Norovirus, SARS, EHEC oder die Schweinegrippe. Diese Seuchen sind an uns relativ glimpflich vorübergegangen, aber die nächste Krankheitswelle kommt bestimmt.

Tipp

Geben Sie deshalb ab sofort auf Ihrer Intranetseite Tipps zur Vermeidung einer Ansteckung. Ich helfe Ihnen wie immer gerne dabei! Und Ihre Kolleginnen und Kollegen freuen sich sicher über jeden Tipp, der ihnen eine Erkrankung erspart.

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