27.04.2017

BEM soll schnelle Hilfe finden bei psychischen Erkrankungen

Bei psychischen Erkrankungen wurde früher vor allem die lange Krankschreibung als Weg zur Besserung angesehen. Hier gibt es inzwischen Erfolg versprechende Alternativen. Die schnelle Rückkehr auf den Arbeitsplatz unterstützt mit kompetenter externer Hilfe wird heute von zunehmend mehr Fachärzten befürwortet.

Neue Konzepte zur Wiedereingliederung psychisch Erkrankter

Auf dem 5. Bremer Fachaustausch am 20. und 21.2.2014 des Integrationsfachdienstes Malt-Harms GmbH stellten die erfahrenen Psychiater Dr. Unger (Hamburg) und Dr. Sigrist (Düsseldorf) einige Überlegungen zur schnellen beruflichen Wiedereingliederung depressiv erkrankter Menschen vor (www.malt-harms.de).

Als Schwerbehindertenvertretung werden Sie eine solche Aufstellung sicherlich nur erfolgreich fördern können, wenn fachkundige interne Partner am selben Strang ziehen.

Gute Arbeit wirkt antidepressiv!

Das ist die Kernthese des engagierten Plädoyers für eine schnelle Rückkehr in das Arbeitsleben auch bei depressiven Erkrankungen. Gute Arbeit gibt Struktur, Identifikation und Selbstwert, die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung und zum Erleben von eigener Effizienz und Wirkung. Gute Arbeit sichert auch Wertschätzung, Anerkennung und Austausch mit anderen. Die Rückkehr muss dabei unbedingt auf Augenhöhe erfolgen.

Praktische Anforderungen an diesen Weg schneller Rückkehr

Berufliche Wiedereingliederung beginnt in den Köpfen!

Praxistipp:
Hierfür können Sie sich auch als Schwerbehindertenvertretung immer wieder einsetzen – in Einzelgesprächen, beim Arbeitgeber, beim Betriebsrat/ Personalrat.

Die Koordination medizinischer, psychotherapeutischer und beruflicher Rehabilitation mit arbeitsplatzbezogenen therapeutischen Leistungen muss unverzichtbarer Teil der Behandlung sein beziehungsweise werden. Die Initiative hierfür muss von den Sozialversicherungen und Rehabilitationseinrichtungen ausgehen. Ihre Handlungsmöglichkeiten als Schwerbehindertenvertretung hierbei sind eher nur klein – vielleicht indirekt über den Betriebsarzt.

Es geht nichts ohne gute Vorgesetzte

Aktives Bemühen um die Reintegration des depressiv Erkrankten nach erfolgreicher Therapie muss Eingang in die Definition eines guten Arbeitgebers (Vorgesetzten) finden.

Praxistipp:
Sie als Schwerbehindertenvertretung können sich mit dem Betriebsrat/Personalrat gemeinsam beim Arbeitgeber für die Hinführung der Vorgesetzten zu diesem Leitbild einsetzen. Dazu gehören sicherlich entsprechende Schulungen der Vorgesetzten, Aufklärungsarbeit durch den Betriebsarzt und die Kommunikation von Positivbeispielen.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Druckkündigung

Eine Druckkündigung liegt vor, wenn Dritte, wie z. B. Kollegen, Geschäftspartner oder Kunden, mit schweren Sanktionen drohen (Kündigung, Auftragsverlust), wenn der Arbeitgeber einem bestimmten Arbeitnehmer nicht kündigt. Die... Mehr lesen

23.10.2017
Schneechaos – Zu spät zur Arbeit gekommen?

Schneechaos in Deutschland: Eisglätte, nicht geräumte Straßen und vieles mehr. Sind Sie auch deshalb spät zur Arbeit gekommen? Und verlangt Ihr Chef nun von Ihnen, dass Sie die Arbeit nachholen sollen?   Mehr lesen

23.10.2017
Stress, lass nach, oder: Burnout-Syndrom vermeiden

In der heutigen Arbeitswelt ist nichts mehr so, wie es einmal war. Beschäftigte müssen sich ständig fortbilden, mit dem neuesten Stand der Technik mithalten, immer adrett aussehen und nie erkranken. Selbst wer das schafft, kann... Mehr lesen