21.12.2017

Berufskrankheiten – Ihre Fragen

Berufskrankheiten sind Krankheiten, die Beschäftigte durch die Ausübung Ihrer beruflichen Tätigkeit erleiden und die dem Unfallversicherungsträger gemeldet werden müssen. Im folgenden Artikel werden Sie gleich 2 aktuelle Urteile zum Thema Berufskrankheit sehen. Grund genug für mich, Ihnen die wichtigsten Fragen hierzu zusammenzustellen.

1. Wann ist eine Erkrankung anzuzeigen?

Besteht der ärztlich begründete Verdacht, dass Berufskrankheiten vorliegen, dann ist die Anzeige unverzüglich zu erstatten. Schon der Verdacht, dass am Arbeitsplatz des betroffenen Mitarbeiters z. B. Stoffe vorhanden sind, die mit der aufgetretenen Krankheit in einem Zusammenhang stehen können, reicht aus, um die Anzeigepflicht zu begründen. Je schneller, desto besser. Denn desto eher erhält Ihr Kollege Geldleistungen und Heilbehandlungen.

2. Wer meldet die Berufserkrankung?

Die Anzeige füllt Ihr Arbeitgeber aus und sendet sie an die zuständige Berufsgenossenschaft. Der Versicherte kann auch selbst Anzeige erstatten. Zur Anzeigeerstattung gibt es Formblätter bei der Berufsgenossenschaft. Die Anzeige muss diese bestimmte Form einhalten, § 193 Sozialgesetzbuch (SGB) VII. Informieren Sie sich also regelmäßig bei Ihrer Berufsgenossenschaft. Haben Ärzte den Verdacht, dass eine Berufskrankheit vorliegt, müssen sie Anzeige erstatten, § 202 SGB VII.

3. Was muss der Berufsgenossenschaft genau mitgeteilt werden?

Neben den Angaben zur erkrankten Person und zum Unternehmen sollen die Krankheitserscheinungen und die Art der aufgetretenen Veränderungen/Beeinträchtigungen möglichst konkret beschrieben werden. Zu nennen sind auch diejenigen Stoffe, Einwirkungen oder Tätigkeiten, die mit den beschriebenen Krankheitserscheinungen in Verbindung stehen können (z. B. Lärm, Feuchtarbeit, Asbest, Lösungsmittel etc.).

4. Wohin wird die Anzeige geschickt?

Senden Sie die vom Betriebsrat und der Unternehmensleitung unterzeichnete Anzeige Ihrem zuständigen Unfallversicherungsträger (z. B. Berufsgenossenschaft, Unfallkasse).

5. Hat der Mitarbeiter Anspruch auf eine Kopie der Anzeige?

Ihr Arbeitgeber muss dem erkrankten Mitarbeiter auf Verlangen eine Kopie der Anzeige überlassen. Zudem erhalten auch Sie als Betriebsrat eine Durchschrift für Ihre Unterlagen!

6. Wird die Sicherheitsfachkraft informiert?

Die Sicherheitsfachkraft und der Betriebsarzt sind vom Arbeitgeber über jede Anzeige zu unterrichten. Sie als Betriebsrat natürlich auch. Achten Sie darauf, dass alle unterrichtet werden. Alles andere sorgt nur für Ärger.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

 

23.10.2017
Lohn in bar oder per Überweisung?

Eine Arbeitnehmerin hatte nach einem Streit ihr Arbeitsverhältnis gekündigt. Nun steht ihr noch das Geld für den letzten Monat zu. Eine Abrechnung hat sie bereits erhalten, nach der ihr netto immerhin 1.743 Euro zustehen. Das... Mehr lesen

23.10.2017
Berufungsverfahren aussetzen – ist das möglich?

Wieder einmal ein interessante Frage: Ein Arbeitnehmer hatte eine Berufung gegen ein erstinstanzliches arbeitsgerichtliches Urteil eingereicht. Er ist also in die nächste Instanz gegangen. Sein Anwalt fordert nun von ihm einen... Mehr lesen

23.10.2017
Kündigung mit falscher Frist – dann fristlose Kündigung – Alles Müll, aber was zählt?

Häufig bleibt es nicht bei nur einer Kündigung. Hat sich ein Arbeitgeber erst einmal entschlossen, einen Arbeitnehmer los zu werden, hagelt es häufig gleich mehrere Kündigungen. Ein typisches Beispiel: Ein Arbeitnehmer wird... Mehr lesen