verständlich, unabhängig, rechtssicher

Arbeitnehmerrechte und betriebliche Interessen rechtssicher vertreten und durchsetzen.


So berechnen Sie Ihren Urlaubsanspruch

21.07.2015

Alle Arbeitnehmer in Deutschland haben Anspruch auf bezahlten Urlaub. Ein immer noch weit verbreiteter Irrtum bei Arbeitgebern und auch bei Arbeitnehmern ist, dass geringfügig Beschäftigte (Minijobber) keinen Anspruch auf Urlaub haben. Dies ist falsch. Auch als Minijobber haben Sie einen Urlaubsanspruch.

Anspruchsgrundlage für Urlaub

Es gibt drei unterschiedliche Anspruchsgrundlagen für Urlaub, die Sie in dieser Reihenfolge prüfen sollten, um Ihren konkreten Urlaubsanspruch festzustellen:

1. Tarifvertrag

In vielen (Mantel-) Tarifverträgen ist geregelt, wie viel Anspruch die einzelnen Mitarbeiter haben. Dies ist häufig mehr als der gesetzliche Mindesturlaub. Von 24 Tagen bei einer 6-Tage-Woche.

2. Arbeitsvertrag

Wenn Sie in Ihrem Tarifvertrag keine Regelungen finden oder für Ihr Arbeitsverhältnis kein Tarifvertrag anwendbar ist, prüfen Sie Ihren Arbeitsvertrag. Es ist nicht möglich, im Arbeitsvertrag weniger Urlaub zu vereinbaren als in einem anwendbaren Tarifvertrag vorgesehen ist. Wohl aber ist es möglich, mehr Urlaub zu vereinbaren.

3. Bundesurlaubsgesetz (BUrlG)

Der gesetzliche Mindesturlaub für alle Arbeitnehmer beträgt nach § 3 BUrlG jährlich mindestens 24 Werktage (alle Tage, die nicht Sonn- oder gesetzliche Feiertage sind). Das Bundesurlaubsgesetz geht von einem vierwöchigen Urlaub bei einer Sechs-Tage-Woche aus.

So rechnen Sie, wenn Sie mehr oder weniger Tage pro Woche arbeiten
Wenn Sie mehr oder weniger als die gesetzlich vorgesehenen sechs Tage pro Woche arbeiten, muss ihr Urlaubsanspruch umgerechnet werden. Es gilt dann folgende Formel:

Urlaubsanspruch = Nominale Zahl der Urlaubstage X Pflichtarbeitstage pro Woche / 6 Werktage

Beispiel: Sie haben laut Tarifvertrag 30 Tage Urlaubsanspruch Im Jahr. Der Tarifvertrag geht aber von einer 6-Tage-Woche aus. Sie arbeiten laut Arbeitsvertrag nur 4 Tage pro Woche, nämlich an den Tagen Montag bis Donnerstag.

Dann ergibt sich folgende Rechnung:

30 (Nominale Zahl der Urlaubstage) X 4 (Pflichtarbeitstage pro Woche) / 6 Werktage = 20

Sie haben also 20 Urlaubstage im Jahr. Als Urlaubstage gelten dann die Tage, die Sie sonst gearbeitet haben. Im Beispiel werden als Urlaub immer nur die Tage Montag – Donnerstag gezählt.

Zusatzurlaub für Schwerbehinderte

Schwerbehinderte Arbeitnehmer haben einen gesetzlichen Anspruch auf Zusatzurlaub. Dieser beträgt eine Woche. (§ 125 Abs. 1 SGB IX).
Als Arbeitnehmer können sie auf den gesetzlichen Urlaub genauso wenig verzichten, wie auf einem ihnen zustehenden tariflichen Urlaub.
Und wenn das Arbeitsverhältnis nicht das ganze Jahr dauert

Besteht Ihr Arbeitsverhältnis nicht das ganze Jahr, haben Sie für jeden vollen Monat des Bestehens des Arbeitsverhältnisses Anspruch auf 1/12 des Ihnen zustehenden Jahresurlaubes. Dabei sind Bruchteile von Urlaubstagen, die mindestens einen halben Tag ergeben, auf volle Urlaubstage aufzurunden.

Beispiel: Laut Arbeitsvertrag haben Sie einen Jahressurlaub von 30 Tagen. Sie beginnen Ihre Tätigkeit am 01.10.2009, arbeiten in diesem Jahr also 3 Monate. Damit ergibt sich folgende Rechnung:

30:12 = 2,5 Tage Urlaub pro Beschäftigungsmonat
2,5 x 3 = 7,5 Tage Urlaub 2009, da Sie nur 3 Monate beschäftigt waren.
Dies wird auf 8 Tage aufgerundet.

Diese Auswirkungen hatte die Wartezeit des § 4 Bundesurlaubsgesetz

Nach dieser Regelung wird der volle Urlaubsanspruch (d.h. der gesamte Jahresurlaub) erstmalig fällig, wenn Ihr Arbeitsverhältnis 6 Monate gedauert hat. Während der ersten sechs Monate haben Sie jeweils nur einen Anspruch auf den bereits anteilig erworbenen Jahresurlaub. Sie können aber noch keinen Urlaub für die Folgemonate (quasi im Voraus) verlangen.

Beispiel:

Sie nehmen am 01.10.2009 die Tätigkeit auf. Ihnen stehen für dieses Jahr 2,33 Urlaubstage pro Monat (Berechnung siehe oben) zu. Wenn Sie jetzt im November 2009 6 Tage Urlaub verlangen, ist dies mehr als Ihnen zusteht. Ihr Arbeitgeber kann insoweit den Anspruch ablehnen.

Urlaub in der Probezeit

Immer wieder heißt es, der Arbeitnehmer hätte während der Probezeit keinen Anspruch auf Urlaub. Das ist falsch. Aus § 5 BUrlG ergibt sich, dass Sie für jeden vollen Monat des Arbeitsverhältnisses einen Anspruch auf 1/12 des Jahresurlaubs haben. Etwas anderes ist die Frage, ob ihr Arbeitgeber Ihnen diesen Urlaub während der Probezeit auch gewähren muss. Nach § 7 BUrlG muss der Arbeitgeber die Wünsche des Arbeitnehmers bei Gewährung von Urlaub grundsätzlich berücksichtigen. Die Gewährung des anteiligen Urlaubes während der Probezeit ist mithin durchaus möglich.

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Als Mitglied Ihres Betriebsrats muss Ihr Arbeitgeber Sie von Ihrer beruflichen Tätigkeit freistellen, damit Sie Ihre Betriebsratsaufgaben ordnungsgemäß erfüllen können – und zwar ohne Minderung des Arbeitsentgelts. So ist...

| 19. August 2009

„Hallo, ich wohne in der Eifel. Hier ist eine sehr ländliche Gegend und ich habe ein besonderes Hobby, das Traktorfahren. Das kann ich aber nur bei einem befreundeten Landwirt. Kann er deshalb belangt werden und kann ihm etwas...

| 11. Januar 2010

Sie haben sich lange auf Ihren Urlaub gefreut, dann aber passiert das Schlimmste, was einem im Urlaub passieren kann. Sie werden krank oder haben gar einen Unfall. Damit zu dem vermiesten Urlaub nicht noch Ärger mit Ihrem...

| 18. August 2009
Nein, Danke

© 2017, VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft